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Modernes (de-)Marketing

Bei meinem heutigen Blogrundgang bin ich auf ein neues Hertie-Logo gestoßen. „WTF?“, dachte ich mir, „Hertie? So hieß doch der […]

Bei meinem heutigen Blogrundgang bin ich auf ein neues Hertie-Logo gestoßen. „WTF?“, dachte ich mir, „Hertie? So hieß doch der Karstadt mal früher?“ – richtig. Und bald wird er auch wieder so heißen, zumindest manche Filialen. Grund genug für mich, mal etwas über den in letzter Zeit vermehrt auftretenden Trend der andauernden Unternehmens-Namensänderungen zu berichten.

Eines der bekanntesten Beispiele dürfte der Elektronikmarkt MediMax sein. Vor einem Jahr hieß er noch MakroMarkt, und davor ProMarkt. Wie kommt es zu solchen verwirrenden Namensänderungen? Ein Marketinggag? Wohl kaum, da es doch eher zur Verwirrung der Kunden dient.

ProMarkt war ursprünglich eine eigenständige Elektrofachmarktkette der Gebr. Wegert. ProMarkt war (und ist immer noch) aber auch eine Elektrofachmarktkette des REWE-Konzerns. Auch diverse andere Unternehmen nannten sich ProMarkt – woraufhin DER ProMarkt sich in MakroMarkt umbenannte. Parallel dazu existierte ProMarkt.de als Onlinehändler weiter. Dann ging es MakroMarkt aber nach und nach schlechter. Ob dies auf Dieter Bohlen als Werbeträger zurückzuführen ist, sei nun mal dahingestellt. Jedenfalls wurden dann einige MarkoMärkte zu Elektronikdiscountern unter dem Namen YPSO, während andere verkauft wurden – an MediMax. Einige verblieben auch im Besitz von ProMarkt, nun aber auch unter dem Namen MediMax. Wah.

Ein weiteres Beispiel, bei dem die allmächtige REWE-Group mitspielt, wäre die Supermarktkette HL. Alle HL-Märkte wurden, zusammen mit einigen anderen, regionalen Supermarktketten, 2005 in Minimal umbenannt. Nun hat aber die REWE-Leitung entschieden, ihre Ketten erneut durchzuwürfeln, und keinen Unterschied mehr zu machen zwischen den „Rewe“-Märkten, die bisher von selbstständigen Kaufleuten geführt worden waren, und den direkt zur REWE-Group gehörenden Minimal-Märkten (teilweise ehemalige HLs). Und so kam es, dass es nun nur noch Rewe-Märkte gibt. Zusätzlich zur Discount-Marke Penny-Markt, die bisher keiner Umbenennung zum Opfer gefallen ist. Bisher.

Doch nicht nur Ladengeschäfte bekommen im Zuge der allgemeinen Umbenennungswut ab und zu ein neues CI verpasst. Auch die BW-Bank, die Baden-Württembergische Bank, hieß nicht immer so. Bis 1999 waren die heutigen Filialen nämlich der damaligen Landesgirokasse (LG) zugehörig. Dann wurde daraus die LBBW, die LandesBankBadenWürttemberg. Dieser Name schien aber auch recht unbeliebt zu sein, und so kam es günstig, dass die LBBW 2005 die BW-Bank übernahm – und deren Namen gleich all ihren Filialen applizierte. Immerhin blieb die Bankleitzahl in all den Jahren immer die gleiche. Aber alleine jedes Mal all die Onlinebanking-Engines anzupassen…

Zurück zu Hertie. Lange Zeit einer der führenden Kaufhauskonzerne in Deutschland – bis die Kette 1993 von Karstadt, einem anderen führenden Kaufhauskonzern in Deutschland, übernommen wurde. Und umbenannt. Der Markenname inklusive schickem Logo im 70er-Jahre-Stil gingen ersteinmal unter – bis jetzt. Einige kleinere Karstadt-Filialen wurden nämlich nun vom Mutterkonzern abgetrennt – unter dem großartigen Namen Karstadt Kompakt. Bei diesem Namen soll es aber nicht bleiben – die Marketingabteilung grub nämlich den hübschen Namen „Hertie“ wieder aus, samt Image des kleinen, sympathischen, gemütlichen Kaufhauses um die Ecke. Der Name „Hertie“ ist übrigens die Abkürzung für „Hermann Tietz“, die im dritten Reich eingeführt werden musste, da der Name „Tietz“ jüdischer Abstammung war.
Ab 1. März werden also aus einigen Karstadt-Filialen wieder Herties – wie früher. Jedoch nur die Kleineren, die schon gar nicht mehr zu Karstadt gehören. Die Esslinger Filiale bleibt erstmal ein Karstadt, was die Esslinger in Anbetracht zahlreicher Erfahrungen mit HL/Minimal/Rewe sowie ProMarkt/MakroMarkt/MediMax sicher begrüßen werden.

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