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Monatsarchiv: März 2008

Meine Verweigerung

Möchte man den Kriegsdienst verweigern, muss man sich zwar heute nicht mehr persönlich rechtfertigen, es wird aber eine ausführliche schriftliche Begründung verlangt, die erklären soll, warum man es nicht mit seinem Gewissen vereinbaren kann, Kriegsdienst zu leisten. Ist man religiös, ist das gar nicht so schwierig. Da ich das aber bekanntermaßen nicht bin, musste ich andere Gründe finden.
Es folgt die komplette Begründung meiner Verweigerung, die vielleicht auch anderen als Beispiel für ihre eigene Verweigerung dienen kann.

Darlegung meiner Beweggründe zur Kriegsdienstverweigerung
In Artikel 4, Absatz 3, Satz 1 des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland ist festgelegt:

„Niemand darf gegen sein Gewissen zum Kriegsdienst mit der Waffe gezwungen werden.“

Von diesem Grundrecht möchte ich Gebrauch machen, da ich es nicht mit meinem Gewissen, meiner Weltanschauung, meiner Erziehung, meinen Grundwerten und meinem Verstand vereinbaren kann, zum Kriegsdienst ausgebildet zu werden.
Es ist wohl das stärkste menschliche Grundbedürfnis, zu leben und zu überleben. Diesem Grundbedürfnis dient auch das Gefühl des Schmerzes. Besteht die Gefahr, dass der Körper nachhaltig verletzt wird, entsteht Schmerz. Wer schon einmal Schmerz erlebt hat, weiß, wie unangenehm das ist, und dass man alles daran setzen wird, diesen Schmerz zu beenden. Dieses Verhalten, überleben zu wollen und infolgedessen Schmerz zu verhindern, entspricht vollkommen der menschlichen Natur.
Viele Jahre lang lebten die Menschen so – sie versuchten, zu überleben und zu verhindern, dass ihnen Schmerzen zugefügt werden. Dabei waren sie jedoch noch nicht in der Lage, sich in andere Menschen hineinzuversetzen, und schützten sich selbst – sogar, indem sie anderen Menschen Schmerzen zufügten. Dies führte zu gewaltsamen Auseinandersetzungen, zu Kriegen, ja sogar zu Völkermord und Ausrottungen ganzer Volksstämme. Also im Ganzen betrachtet entgegen dem obersten menschlichen Grundbedürfnis, zu überleben.
Irgendwann bemerkten die Menschen diesen Widerspruch, und begannen, sich Gedanken über ihre Mitmenschen zu machen. Einige jedenfalls. Daraus entwickelte sich die Idee, die auch in unserem Grundgesetz zu finden ist (Artikel 1, Absatz 1, Satz 1):

„Die Würde des Menschen ist unantastbar.“

Dies schreibt fest, dass jeder Mensch schon alleine durch seine Existenz schützenswert ist. Dazu gehört auch, dass kein Mensch verletzt oder getötet werden darf.
Meine Eltern legten stets großen Wert darauf, mir diese Werte zu vermitteln. Sie leiteten mich an, Achtung vor Leben zu bewahren. Dazu gehört natürlich nicht nur die strikte Ablehnung von Gewalt und Krieg, sondern auch die Ablehnung, Fleisch zu essen. Daher bin ich noch heute Vegetarier. So kann ich es mir weder vorstellen, in den Krieg zu ziehen und Menschen zu töten oder dazu ausgebildet zu werden, noch, auf Jagd zu gehen und Tiere zu töten.
Leider gehört Gewalt und Krieg heute noch immer zum Alltag, dies stellt jeder fest, der nicht mit ganz verschlossenen Augen die alltägliche Medienflut aufnimmt. Täglich sehe ich, wie Menschen auf den vielen Kriegsschauplätzen in der ganzen Welt sterben müssen. Geht der Krieg, bleibt das Elend. Zerstörte Infrastruktur, verlorene Arbeitsplätze und vor allem viele Kriegsopfer stellen die oft schwer verwundeten Hinterbliebenen vor Probleme, die im 21. Jahrhundert eigentlich der Vergangenheit angehören sollten. Wer schon einmal den Tod eines nahen Angehörigen erlebt hat, wird vielleicht gerade einmal ansatzweise eine Vorstellung davon bekommen können, welche psychische Belastung der Verlust eines Großteils der eigenen Familie und des Freundeskreises darstellen würde. Hinzu kommt das soziale Elend, an dem die Menschen in und nach einem Krieg zu leiden haben, wenn sie alles verloren haben. Hier kann man sehen, welchen Stellenwert Leben und Überleben wirklich hat.
Krieg verursacht dieses Elend. Krieg ist in erster Linie immer noch bewusstes, systematisches Töten und Zerstören. Soldaten haben zwar auch friedliche Aufgaben, doch gehört das Töten von Menschen in einem Krieg definitiv dazu. Die Ausbildung zum Soldaten umfasst daher unweigerlich auch die Ausbildung zum systematischen Töten von Menschen und führt letztlich dazu, dass ein Mensch lernt, zu töten und Elend und Verderben zu bereiten. Dies kann ich, wie oben ausgeführt, nicht mit meinem Gewissen vereinbaren.
Natürlich führt man als Soldat nur Befehle aus – doch dies umfasst für mich nicht die Möglichkeit, die Verantwortung vor dem Gewissen auf die Vorgesetzten abzuwälzen. Ich kann mir nicht vorstellen, jemanden auf Befehl zu töten und dafür jemand anderes außer mich persönlich vor meinem Gewissen verantwortlich zu machen. Daher ist es mir nicht möglich, zu töten, und daher möchte ich mich auch nicht dazu ausbilden lassen.
Auch eine Ausbildung in einem eher gewaltfreien Bereich, z.B. als Sanitäter bei der Bundeswehr, kann ich nicht mit meinem Gewissen vereinbaren. Schließlich hat man als solcher die Aufgabe, die ganze Maschinerie am Laufen zu halten, indem man verwundete Soldaten pflegt, damit sie wieder töten können.
Gewalt ist keine Lösung – das habe ich schon als Kind gelernt und erfahren. Genauso habe ich gelernt, dass es das schwerste Verbrechen ist, jemanden zu ermorden. Beim Blick in die Geschichte, aber auch in die Gegenwart, sieht man, wozu Gewalt und Krieg führt. Die unzähligen Berichte über die Katastrophe des zweiten Weltkriegs und insbesondere mein Besuch im ehemaligen Konzentrationslager Dachau stärkten meine konsequente Ablehnung von Krieg mit allen seinen Konsequenzen zusätzlich.
Gerade wir in Deutschland sollten doch unsere Lektion mittlerweile gelernt haben und eher eine Vorbildfunktion für andere Staaten innehaben, als uns an deren Kriegen aktiv zu beteiligen.
Da finde ich es geradezu absurd, dass in einem Land, in dem Menschenrechte eigentlich groß geschrieben werden, plötzlich ein Unterschied gemacht wird zwischen Töten auf Befehl als Soldat und Töten im privaten Bereich. Dass trotz der Erfahrungen in der Vergangenheit eine Armee besteht. Dass gewaltsame Konfliktlösung immer noch als Möglichkeit angesehen und praktiziert wird. Dass immer noch Menschen zum Töten anderer Menschen ausgebildet werden. Dass junge Männer (und nur Männer) genötigt werden, diese Ausbildung über sich zu ergehen lassen.
Dies alles steht im Widerspruch zu unseren Grundrechten und zum gesunden Menschenverstand. Trotzdem Kriegsdienst zu leisten und dadurch diese Maschinerie zu unterstützen und letztlich zu lernen, andere Menschen mit voller Absicht und möglichst effektiv zu töten, kann ich definitiv nicht mit meinem Werteverständnis, meinem Verstand und vor allem meinem Gewissen vereinen.
Daher verweigere ich den Kriegsdienst an der Waffe unter Berufung auf das Grundrecht der Kriegsdienstverweigerung nach Artikel 4, Absatz 3 Satz 1 des Grundgesetzes.

In Bezug auf diesen Text möchte ich nochmals auf die Lizenzbedingungen des Inhalts dieses Blogs hinweisen.

Zivildienst

Wie einige sicher wissen, leiste ich zur Zeit meinen Zivildienst ab. Aus diesem Grund habe ich entschieden, hier in meinem Blog eine kleine Zivildienst-Serie zu starten, in der ich von meinen Erfahrungen und Erlebnissen berichte.

Zuerst einige allgemeine Gedanken zum Zivildienst: Für mich stand der Kriegsdienst bei der Bundeswehr nie zur Debatte. Auch den Zivildienst betrachte ich als Ungerechtigkeit gegenüber dem männlichen Teil der Bevölkerung – ganz unabhängig von der Notwendigkeit der Zivildienstleistenden für soziale Einrichtungen. Es kann einfach nicht sein, dass man aufgrund seines Geschlechts dazu gezwungen wird, entweder Töten zu lernen oder neun Monate zu arbeiten. Mir ist keine Zivildienststelle bekannt, die nicht von einer Frau genauso besetzt werden könnte wie von einem Mann. Warum also diese Ungerechtigkeit? Entweder für niemanden Zivildienst oder – besser – für alle. Im Zuge dessen könnte man dann auch gleich den Kriegsdienst abschaffen…
Jedenfalls betrachte ich den Zivildienst in der derzeitigen Form zwar als potentielle Chance, einen Einblick in das Berufsleben zu bekommen, aber dennoch als ungerecht und nicht mit dem Grundgesetz vereinbar. Daher versuchte ich auch, möglichst weder Kriegs- noch Zivildienst leisten zu müssen. Und die Chancen dafür standen gar nicht schlecht…
Natürlich habe ich mich im Internet umgesehen, und stieß dabei unter anderem hierauf. Dort wird dargelegt, welche Chancen man hat, keinen Zivildienst leisten zu müssen: Kurz zusammengefasst kann man entweder gar nicht erst erfasst werden, sich bei der Musterung als untauglich herausstellen oder einfach nicht einberufen werden, weil von den Tauglichen scheinbar nur etwa 50% auch tatsächlich einberufen werden. Ich wollte natürlich zu den anderen 50% gehören.

Die Musterung
WehrverwaltungBegonnen hat alles mit einem Schreiben des Kreiswehrersatzamtes Stuttgart mit dem Betreff “Terminverlegung”, das ich kurz vor Silvester 2006 erhielt.
Darin wurde mir mitgeteilt, dass meine “Ladung zum 22.01.2007″ leider um zwei Tage verschoben werden müsste – WTF?
Offenbar wurde mir bereits eine Vorladung zur Musterung zugeschickt, nur kam diese nie bei mir an. Wäre also nicht der Arzt erkrankt, hätte ich eine Musterung gehabt, von der ich nie gewusst hätte, dass ich sie hatte. Jedenfalls hatte ich dann im März 2007 eine richtige Ladung und meine Musterung. Da ich naturgemäß eher unsportlich bin, rechnete ich mir ganz gute Chancen aus, ausgemustert zu werden. Weil ich aber gehört habe, dass die Wahrscheinlichkeit, ausgemustert zu werden, sinkt, wenn man von vornherein angibt, verweigern zu wollen (“Bei der Bundeswehr können wir den zwar nicht gebrauchen, aber Zivildienst kann er schon leisten…”), hatte ich so meinen Spaß bei der Musterung. Für einen Tag legte ich jeglichen Stolz ab und wackelte ungewaschen, unrasiert, unausgeschlafen, dreckig, verrafft und mit Brille ins Kreiswehrersatzamt – und wollte natürlich unbedingt schießen lernen. Die Musterung selbst war nicht schlimm – natürlich habe ich beim Hör- und Sehtest wohl etwas weniger gesehen und gehört als normal, und die berüchtigte ärztliche Untersuchung erwies sich bis auf den Umstand, dass sämtliches Personal weiblich war, als harmlos. Schade war dann nur das Ergebnis: T2, also tauglich mit gewissen Einschränkungen und nicht T5 (untauglich). Außerdem sollte ich vier Tage später nochmal erscheinen, um die “Eignungsuntersuchung und Eignungsfeststellung” über mich zu ergehen lassen. Wer gleich sagt, dass er verweigern möchte, muss das gar nicht machen – aber eigentlich war es ganz lustig. Es wurde versucht, herauszufinden, wie viel ich in der Birne habe und wofür ich mich bei der Bundeswehr eignen würde. Eigentlich musste ich nur diverse Logik- und Reaktionstests durchführen, bei denen ich mir recht viel Zeit lies und auch öfter mal “aus Versehen” auf die falsche Antwort drückte. Das Ergebnis war wie erwartet sehr unterdurchschnittlich für einen Gymnasiasten.
An dieser Stelle möchte ich mich bei den wirklich netten Mitarbeitern bei der “EUF” dafür entschuldigen, dass ich ihre kostbare Zeit geraubt habe – aber interessant, dass diese, im Vergleich zu denen bei der Musterung, stets freundlich waren. Jedenfalls ging ich dann nach Hause, duschte erstmal und hoffte, dass ich nie wieder etwas vom KWEA hören müsste, hatte ich doch keinen allzu geeigneten Eindruck gemacht.

Doch es sollte anders kommen…

Das Luftwaffenausbildungsregiment Mengen
Am Tag meines Deutsch-Abiturs freute ich mich über Post. Es war jedoch wider Erwarten kein Paket mit irgendeinem tollen Gadget, das ich mir bestellt habe, sondern ein Einschreiben, das ich garantiert nicht bestellt habe – die Einberufung zum neunmonatigen Grundwehrdienst ab Juli irgendwo in Bayern. Ich scheine ihnen also doch gefallen zu haben, und nun wollten sie mich haben. Sogar bei der Luftwaffe, hui. Das wäre ja noch der einzige Bereich, den ich mir überhaupt vorstellen könnte – aber auch nur zum Heli fliegen lernen.
Es war also Zeit, einen freundlichen Brief an das Kreiswehrersatzamt zu schreiben unter Berufung auf Artikel 4, Absatz 3 Satz 1 des Grundgesetzes. Wenige Tage später bekam ich wieder eine Antwort, sie würden gerne wissen, warum ich verweigern möchte und hätten außerdem gerne einen tabellarischen Lebenslauf. Beziehungsweise nicht sie, das Kreiswehrersatzamt, wöllten dies, sondern ich solle das doch bitte direkt an das Bundesamt für Zivildienst in Köln schicken, da mein Fall nun dort betreut würde. Gesagt, getan. Was genau ich nach Köln geschickt habe, und wie die Reaktion darauf war, bald hier.

Gesucht: eine mobile Startseite

Ich bin ja Fan von personalisierten Startseiten und verwende in Safari Netvibes. Soweit bin ich auch zufrieden damit, habe ich doch eine für mich passende Lösung der Startseiten-Frage gefunden.
Doch seit ich mein neues HandySmartphone habe, ist die Frage nach der richtigen Startseite plötzlich wieder aktuell.

Zuerst gilt es, den richtigen Browser zu finden. Das gestaltet sich einfach, da es neben dem vorinstallierten Browser eigentlich nur Opera Mini gibt (oder kennt jemand einen anderen Third-Party-Browser für Symian S60 3rdEd.?). Bei letzterem ist die Startseite schon mehr oder weniger vorgegeben, bestehend aus URL-Feld, Suchfeld, RSS-Feeds, Lesezeichen und Verlauf. Eigentlich alles wunderbar, aber leider basiert Opera Mini auf Java und ist daher insgesamt zu langsam. (Man könnte es das Opera-Problem nennen, nutze ich doch aus dem gleichen Grund am Mac kein Opera, hmm…).
Der andere Browser ist der S60-Browser, der in meinem von der T-Com behandelten Smartphone “web’n'walk” heißt, ein magentafarbenes Logo hat und sich mit einer mindestens genauso magentafarbenen Startseite präsentiert. Da diese vor allem aus Werbung besteht und nicht anpassbar ist, bin ich auf der Suche nach einer Alternative.
Netvibes gibt es leider nicht in einer mobilen Version.
Bleibt nur noch iGoogle. Das funktioniert ganz gut auch mobil.
Leider ist es aber nicht mobil anpassbar, außerdem ist es eben primär ein RSS-Reader, und für mobile Zwecke muss eine Startseite irgendwie anders aussehen – z.B. wie bei Opera Mini.
Ich stelle mir ein URL-Eingabefeld vor, natürlich ein Suchfeld für Google, Wikipedia etc. und viele Links bzw. Lesezeichen.
In den Weiten des Internets habe ich sowas leider nirgends gefunden. Daher überlege ich mir nun, selbst sowas zu entwickeln. Vielleicht sogar auf einer semiprofessionellen 2.0-Dienst-Basis? Gäbe es potentielle Nutzer oder sogar Helfer?
Ansonsten mache ich mir eben mein eigenes, undokumentiertes Startseitenscript…

Korrektur: Netvibes gibt es auch in einer mobilen Version: http://m.netvibes.com. Jedoch ist meine Startseite gut 600 kb schwer, wodurch ich sie nur acht mal per UMTS öffnen könnte, um mein Volumen aufzubrauchen. Scheidet also leider auch aus.