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Monatsarchiv: Mai 2009

Ich mag keine Feiertage

Blick vom Balkon… und schon gar nicht, wenn ich arbeiten muss. Warum? Weil ich dann morgens hungrig zu meinem Bäcker fahre, der Sonntags normalerweise leckere Brötchen und Croissants verkauft. Und dann hängt da ein Schild an der Tür: »Aus rechtlichen Gründen haben wir am Pfingstsonntag und -montag leider geschlossen.«
Kein Frühstück also, bis 13 Uhr. Und alles nur wegen der blöden Kirche. Wie soll man denn seinen nächsten lieben, wenn man nicht gefrühstückt hat? Grr.

Stichwort Kirche: Das mit den Glocken zur vollen Stunde ist ja an sich ein nettes Gimmick. Aber warum müssen nach den Glockenschlägen, die die Uhrzeit kommunizieren, noch geschlagene fünf Minuten sinnloser Läuterei in voller Lautstärke folgen? Das nervt nämlich vor allem dann, wenn die alten Menschen, denen ich das Mittagessen bringen soll, deswegen die Klingel nicht hören. Und ich warten muss, bis die Kirche verstummt. Hungrig.

Nein, das Bild hat überhaupt keinen Bezug zum Text.

Naziaufmarsch in Lüneburg

Gestern morgen bin ich aufgewacht und befand mich inmitten der Sicherheitszone, die die Polizei für den Aufmarsch von Neonazis in Lüneburg eingerichtet hatte. Nur Bewohner wurden noch durchgelassen – und Nazis. Viele kamen allerdings nicht, nur ca. 100 Glatzköpfe versammelten sich am Vormittag hier, 200 Meter von der Haustür meiner Freundin entfernt. Die Polizei war mit ungefähr dreimal so vielen Einsatzkräften vertreten.
Im Vorfeld hatte die Stadt Lüneburg die Demonstration verboten, da es bei einer ähnlichen Veranstaltung am 11. April bereits zu Ausschreitungen seitens der Nazis gekommen war, die versucht hatten, eine Polizeisperre zu durchbrechen. Das Verwaltungsgericht hob dieses Verbot dann jedoch wieder auf, da es aufgrund der strikten räumlichen Trennung (Nazis im Osten, Gegenveranstaltungen in der Innenstadt) diesesmal keine Ausschreitungen erwartete und ein Verbot in Hinsicht auf die Versammlungsfreiheit für unverhältnismäßig hielt.

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Die eigentliche Veranstaltung hatte dann eher lächerlichen Charakter, was wohl auch an der Route lag, die zwischen einer verlassenen Kaserne und einem eher spärlich bewohnten Wohngebiet vorbeiführte. Die Nazis durften einmal um den Block laufen und ein paar Parolen schreien, vor und hinter ihnen lief eine Hundertschaft der Polizei. Das war es dann auch schon wieder.
Einige Mitglieder der linken Szene waren auch vor Ort, hatten jedoch aufgrund des krassen Polizeiaufgebotes keine Chance, den Marsch zu stoppen, wie es am 11. April geschehen war. Als Erfolg für die Nazis kann die Aktion jedoch trotzdem nicht verbucht werden: dass sie unerwünscht sind, war nicht nur bei den Anwohnern deutlich zu spüren.
Zur Gegenveranstaltung in der Innenstadt kamen über 1000 Leute.

Weitere Informationen bei Indymedia.

Europawahl 2009: Die Parteien

ee09_europabutton_de32 Parteien bzw. “politische Vereinigungen” stellen sich am 7. Juni zur Wahl für das europäische Parlament (ich berichtete). Dieses setzt sich übrigens proportional zur Größe der EU-Mitgliedsstaaten zusammen, wodurch bei bevölkerungsreichen Ländern wie Deutschland sehr viel mehr Bürger von einem einzelnen Abgeordneten repräsentiert werden. Die meisten der nationalen Parteien schließen sich auf Europaebene mit ihren jeweiligen Pendants aus den anderen Staaten zu “Europaparteien” zusammen.
Die SPD wird dadurch zur SPE, die CDU zur EVP (europäische Volkspartei), die FDP zur ELDR (“europäische liberale, demokratische und Reformpartei”), die Grünen zur EGP (“europäische grüne Partei”) und die Linke zur EL (“europäische Linke”). Die Piraten treten auf europäischer Ebene logischerweise auch gemeinsam mit denen der anderen EU-Staaten auf, schließlich verstehen sie sich ja von Beginn an als transnationale Bewegung und treten daher bei der Europawahl auch unter dem Namen ihrer Dachorganisation “PPI” (“Pirate Party International”) auf.

Jedoch ändert sich für den Wähler hierzulande nichts im Vergleich zu einer normalen Bundestagswahl – die bekannten deutschen Parteien stehen auf dem Wahlzettel und vertreten ihre üblichen Wahlprogramme.
Im Folgenden habe ich mir die Internetauftritte einiger der Parteien als wohl wichtigstes Aushängeschild angesehen.

spd1Die SPD bemüht sich mit einer hübschen, gut umgesetzten Homepage um ein modernes Web-2.0-Image. Dabei befindet sich die Partei gedanklich schon im Herbst, wo sie Steinmeier zum Kanzler machen möchte – zur Europawahl ist das Angebot eher mau. Die klassischen sozialdemokratischen Sprüche werden raus-, ansonsten wird viel auf die Konkurrenz eingehauen.

cduDie CDU möchte mit ihrem Auftritt offensichtlich vor allem ältere Menschen ansprechen. Das irritiert etwas, denn die wählen sie doch sowieso? Nach den massiven Fehlern in letzter Zeit im Umgang mit dem Internet und dem Teil des Volkes, der auch etwas damit anfangen kann, hätten hier Punkte gemacht und klare Worte gefunden werden müssen. Stattdessen findet man eine ausdruckslose Seite vor, die sich zwar bemüht, modern zu wirken, doch außer einer Diashow und Aufrufen zu Wählerbeteiligung findet sich nichts. Politische Inhalte gibt es nur in PDF-Broschüren, hier wurden offensichtlich einfach die Druckvorlagen online gestellt. Der CDU ist das Internet also nach wie vor fremd und etwas ungeheuer. Aber dass man damit Geld machen kann, hat sie schon gemerkt: ins Auge sticht gleich der Punkt “Spenden”, der bei der CDU aber wohl eher negative Assoziationen hervorruft.

linkeDie Linke verfährt auf ihrer Homepage nach dem Motto “viel hilft viel”. An Content mangelt es nicht, von der Aufmachung erinnert die Website eher an ein Nachrichtenportal. So ist es auch kein Problem, die Standpunkte der Partei zu finden. Dabei gibt es wenig Überraschungen, der Name ist Programm und die Farbe rot dominiert. So wirklich professionell wirkt das aber alles nicht, stattdessen eher zusammengestückelt aus verschiedenen Parteien, Standpunkten und Schriftstücken. Vielen Schriftstücken.

grueneDie Grünen sind Web 2.0. Sie bieten die mit Abstand aufwändigste und modernste Seite, die zwar weniger nüchtern daherkommt als die SPD, aber dafür mit umso mehr Farbverläufen und großen Schriftzügen. Ebenso klar werden die Hauptthemen der Partei thematisiert, interessant ist hier, dass Wirtschaft, Arbeit und soziale Gerechtigkeit vor Klima und Umwelt kommen. Zum Schmunzeln bringen Sprüche wie “Freunde werden? Jürgen und Renate auf Facebook”. Doch diese betont alternative Jugendlichkeit passt zwar gut zu der Partei, vermittelt aber nicht unbedingt Kompetenz.

piratenDie Piratenpartei, selbsternannte Retter des Internets, der informationellen Selbstbestimmung und des freien Zugangs zu Informationen und Medien, erklären diese Themen auf ihrer Website, die auch die irgendeiner OpenSource-Software sein könnte, ausführlich. Durch Wiki und BurningBoard-Forum finden sich hier Nerds zusammen, um ihre Themen zu formulieren. Mehr kommt dabei auch nicht heraus: zu anderen politischen Themen existieren keine Positionen. Überraschenderweise hinterlassen die Piraten aber einen erstaunlich seriösen Eindruck und beweisen, dass sie sich bei ihren Themen auskennen und weit mehr sind, als ein Zusammenschluss von einigen Informatik-Studenten und Filesharern.

Folgende Websites möchte ich außerdem auch nicht unerwähnt lassen:

  • Die Rentner haben sich einen Homepagebaukasten aus den 90er-Jahren vorgenommen und eine Homepage damit gebastelt, inklusive Flash-Intro. Barrierefreiheit ist hier wohl nicht gewünscht.
  • Die FDP hat zwar auch eine Parteiwebsite unter der Domain fdp-bundespartei.de, fdp.de leitet aber aber auf liberale.de weiter, wo eine leicht angestaubte Website mit einem Businessdesign von der Stange auf den potentiellen Wähler wartet.
  • Die Newropeans wollen international sein. Wofür sie sonst stehen, wissen sie aber wohl selbst nicht so genau. Für kleine Schriftgrößen, schreckliche Farbkombinationen und uneinheitliche Länderauftritte vielleicht?
  • Die FBI hat nicht nur einen coolen Namen, sondern experimentiert auch gerne mit vielen verschiedenen Schriftgrößen und -farben herum.
  • Die Frauen zeigen uns, dass sie alles können – außer Websites gestalten und Bilder verkleinern.

Europawahl 2009

Am 7. Juni 2009 findet in der EU die Wahl zum europäischen Parlament statt. Leider ist diese Wahl recht unbekannt und findet nur wenig Beachtung, insbesondere bei jüngeren Menschen. Doch gerade diese sollten unbedingt zur Wahl gehen, sonst ändert sich ja nie etwas.

Europawahl? Lohnt es sich überhaupt, dort hinzugehen?

Natürlich! Das europäische Parlament ist die europäische Entsprechung des Bundestages. Hier werden Gesetze und Richtlinien verabschiedet, die für die europäischen Länder verbindlich sind. Daher sollen seine Mitglieder auch von allen europäischen Bürgern gewählt werden.

Und wen soll man dort wählen?

Zur Wahl stehen in Deutschland die üblichen Parteien: SPD, CDU, Grüne, Linke, FDP, aber auch unbekanntere Parteien wie die Violetten, die Piraten oder die Partei FBI. Und natürlich wollen auch die alten, braunen Bekannten vom rechten Rand mitmischen.
Insgesamt werden sage und schreibe 32 Parteien auf dem Wahlzettel stehen.
wahlomat_europawahl09Da kann die Entscheidung natürlich schwer fallen, daher gibt es wie bei jeder Wahl wieder den “Wahl-O-Mat” der Bundeszentrale für politische Bildung. Ich empfehle jedem, die dortigen Fragen einmal durchzugehen, dabei können wirklich interessante und überraschende Ergebnisse herauskommen. Nach der Bewertung von 38 politischen Standpunkten können bestimmte Themen, die einem besonders wichtig sind, doppelt gewichtet werden. Schließlich können acht Parteien ausgewählt werden, mit denen man seine Standpunkte vergleichen lassen möchte. Hier empfiehlt es sich, per Zurück-Button des Browsers möglichst alle Parteien einmal durchzuprobieren, gerade von den kleinen unbekannten Parteien kann man teilweise sehr überraschende Ergebnisse erhalten. Drei Parteien haben sich leider geweigert, beim Wahl-O-Mat teilzunehmen, aber das spricht dann wohl auch für sich. Wer so rückständig ist und sich dem Internet derartig verweigert, hat es sicher nicht verdient, gewählt zu werden.

Natürlich ist das Ergebnis des Wahl-O-Mat nicht als Wahlempfehlung zu verstehen, sondern eher als Anregung. So hatte ich eigentlich für mich schon entschieden, welcher Partei ich am 7. Juni meine Stimme geben werde, und wurde nun durch den Wahl-O-Mat auf zwei weitere Parteien aufmerksam, die sogar noch näher an meinen Standpunkten liegen als die Partei, die ich eigentlich wählen wollte. Ich werde es mir auf jeden Fall nochmal überlegen.

Unsere Preise schonen Ihren Geldbeutel

Ich gebe zu, ich fahre recht häufig mit der Bahn. Eigentlich jedes Wochenende. Da kaufe ich mir dann auch gerne ein Online-Ticket, das zwar den Zugbegleiter beim Kontrollieren mindestens zehnmal so lange beschäftigt wie ein Automatenticket, aber das ist ja nicht mein Problem, sollen sie eben das System verbessern. Jedenfalls – dadurch bin ich sozusagen Stammbesucher auf bahn.de. Dieser Meinung ist auch die Betaversion von Safari 4 und präsentiert mir daher schon von Anfang an immer die Bahn-Website in den Top Sites. Soweit ja alles kein Problem. Aber seit einiger Zeit sieht das so aus:
bahn_bohlenJeden Morgen glotzt mich da also der Herr Bohlen an, wenn ich meinen ersten Kaffee trinke (zu jeder anderen Tageszeit natürlich auch, aber morgens ist das besonders hart). Und jedes Mal quält mich die Frage: Warum??!
Tatsächlich ist Bohlen der neue Werbeträger der Bahn und führt so die Reihe zweifelhafter Bahnwerbung fort (“Unsere Preise schonen Ihren Geldbeutel”). Naja, wenn man das Monopol hat, gibt man sich mit der Werbung wohl einfach nicht mehr so die Mühe, siehe auch Microsoft.
Aber eigentlich wäre mir das ja egal, ich sehe sowieso kaum Fern und schon gar keine Werbung. Nur auf Bahn.de muss ich Bohlen jeden Tag sehen, grml.
Dann doch lieber wieder die schnuffige Business-Sofie.

Nachtrag:
Die Bahn hat reagiert. Inzwischen wurde Bohlen durch zwei Flaggen ausgetauscht, die für das “Europa-Spezial” werben.

Nachtrag 2:
Bohlen ist zurück, in alter Pracht.

Petition gegen Internetzensur

Nach der Online-Demo gegen die staatliche Internetzensur vor zwei Wochen, die ein durchschlagender Erfolg wurde, folgt nun etwas, was tatsächlich eine Änderung herbeiführen könnte: die Online-Petition.
Jedoch nicht von einem Blog initiiert, sondern hochoffiziell auf der Plattform des Bundestages, die ich dadurch erst kennenlernte: Auf epetitionen.bundestag.de stellt die Regierung die Möglichkeit zur Verfügung, online Petitionen zu starten und zu unterzeichnen. So kann man unkompliziert politisch aktiv werden und hat – neben der Wahl – ein weiteres Mittel, um zumindest ansatzweise mitzuentscheiden. Super!

epetitionen_screenshot

Also: wer denken kann und daher gegen die staatliche Sperrung unter dem Deckmantel des Kampfes gegen Kinderpornografie ist (Argumente gibt es hier, hier und hier), sollte jetzt aktiv werden.

Für die erfolgreiche Teilnahme muss man sich registrieren, doch das sollte es einem schon wert sein. Und der Staat kennt Name und Adresse ja sowieso.
Leider sind die Server zur Zeit aufgrund des Ansturms etwas langsam, aber dann muss man es eben später nochmal versuchen.

Finden sich bis zum 16. Juni 50.000 Unterzeichner, wird die Sache vom Petitionsausschuss des Bundestages beraten und es besteht eine Chance, dass doch noch die Vernunft über den Wahnsinn siegt. Also los!

Link zur Online-Petition

via stylespion.de