Wenn ich Internet-Provider wäre, dann …

… würde ich jedem eine 50- oder auch 100-MBit-Leitung legen, natürlich mit genauso hohem Upstream. Wer gerne mal Videos o.ä. hochlädt weiß warum. Wer einen Server zuhause hat auch.

… würde ich grundsätzlich IPv6 verwenden und auch meinen Kunden entsprechende Geräte geben. Sonst wird das ja nie was.

… würde ich nur auf Wunsch einen Telefonanschluss schalten.

… würde ich echten Service anbieten. Und insbesondere meine Vertriebsmethoden regelmäßig überdenken. Wenn jemand am Telefon „nein“ sagt, bedeutet das nicht, dass er mein Kunde werden will. Vielleicht rufe ich einfach gar nicht erst an.

… würde ich meine Kunden nicht mit Zusatzdiensten wie E-Mail, Webspace, Virenscanner, Fernsehen und Webportalen voller Werbung nerven. Lieber mit dem gesparten Geld die anderen genannten Punkte finanzieren.

… würde ich eine echte Flatrate anbieten. Ohne „Fair-Use-Klausel“.

… würde ich keine DNS-Server modifizieren. Niemals.

… würde ich mich grundsätzlich der Netzneutralität verschreiben und von Deep Packet Inspection und ähnlichem Blödsinn die Finger lassen. Peer to Peer ist nicht illegal, sondern effizient und schnell.

… würde ich meine Kunden einfach das Internet nutzen lassen. Denn nur das ist die Aufgabe eines Internet-Providers.

Leider bin ich aber kein Internet-Provider. Und so stehen wir in Deutschland weiter vor dem Problem, nur das kleinste Übel wählen zu können, anstatt Qualität.

4 Kommentare zu Wenn ich Internet-Provider wäre, dann …


  1. Tja, bei dem einen großen Internetanbieter kommt das halt daher dass er sich immernoch so bissl wie “Bundespost” fühlt. Zu den anderen kann ich aus eigener Erfahrung nix sagen.

    Allgemein müssten die einfach nur einsehen dass sie halt “nur” ne Leitung sind. Aber das ist ja nix schlechtes. Im Gegenteil, wenn die alles richtig machen würden könnten die geliebt werden und sicher trotzdem viel Kohle machen. Sieht man ja zum Teil an unserem kleinen Nachbarland. In Österreich ist zwar auch nicht alles toll. Aber auf dem Bereich des mobilen Internets sind die schon ein gutes Stück weiter. Das total quatschige daran ist allerdings, dass das dort die selben Konzerne wie hier schaffen. Das heißt die wollen hier einfach nicht, obwohl sie könnten. Die versuchen einfach den großen tollen deutschen Markt auszuschlachten wies geht, sieht man ganz besonders bizarr bei so Sachen wie VoIP und Tethering. Da werden die iPhone-Kunden exklusiv ausgesperrt weil bei denen die Gefahr besteht dass die die Leitung zu VoIP und Tethering benutzen, was eigentlich so rein technisch schon ewig auf allen möglichen Geräten geht. Da kann man sich manchmal echt nur noch an den Kopf fassen! o.O

    Ich zittiere mal an dieser Stelle die Fantastischen Vier:”Es könnte alles so einfach sein, isses aaaaaaber nicht!”

  2. Naja, ich habe die Zeit, als die Telekom noch zur Post gehörte, nicht wirklich mitbekommen. Aber ich denke schon, dass Telekommunikation eigentlich eher in Staatshand gehört, da es schließlich zur grundlegenden Infrastruktur gehört. Und wenn die Telekom nicht gewinnorientiert arbeiten müsste, könnte sie sicher einige der Punkte umsetzen, oder notfalls per Gesetz dazu gebracht werden.

    Und von der T-Mobile-iPhone-Geschichte fang ich besser gar nicht erst an…

  3. Wenn du Internet-Provider wärst, mit all diesen tollen Ideen, würdest du innert kürzester Zeit rote Zahlen schreiben und bankrott gehen. So gut die Ideen sind, aber ökonomisch sind sie Traumtänzerei. Aber eine aus Konsumentensicht lobenswerte Traumtänzerei! Beste Grüsse, tom

  4. @tom: genau da liegt das Grundproblem der TK-Konzerne. Sie sind mittlerweile nur noch am Gewinn interessiert und scheren sich nicht um ihre gesellschaftliche Grundverpflichtung der Bereitstellung einer Kommunikationsinfrastruktur für die Bevölkerung. Vielleicht wäre eine staatliche Telekom daher besser.
    Dass es im freien Markt mit der Selbstregulierung eben nicht klappt, beweisen ja Telekom & Co. tagtäglich.

    Zu den roten Zahlen: Würden die Konzerne sich auf ihre Kerngebiete konzentrieren und nicht mit unzähligen Sponsoringsachen und sinnlosen Produkten, die keiner will, ihr Budget verpulvern, wäre es wohl durchaus finanzierbar, eine ordentliche Internetversorgung bereitzustellen.

    Und Dinge wie Netzneutralität und unzensierte DNS-Server haben nichts mit Traumtänzerei zu tun, sondern mit Kommunikationsfreiheit und Briefgeheimnis. Nebenbei kostet es Millionen, eine Zensurinfrastruktur zu betreiben – Geld, mit dem man meine Forderungen umsetzen könnte.

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