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Jahresarchiv: 2010

Ein Blick auf FaceTime – Videotelefonie á la Apple


Ein Traum, fast so alt wie das Telefon selbst: den Gesprächspartner beim Telefonat sehen. Über zahllose Filme und Serien wurde die Idee immer wieder aufgegriffen, meist als Kommunikationsmittel von Bösewichten, die ohnehin zuviel Geld hatten.
In den letzten Jahren wurde Videotelefonie dann salonfähig: mit Skype konnte jeder, der eine Webcam besaß, kostenlos in der ganzen Welt „videofonieren“. Und sogar mit dem Handy: seit über zehn Jahren gibt es Mobiltelefone, die theoretisch Videotelefonate unterstützen. Mit Aufkommen der 3G-Netze (UMTS) war es nämlich möglich, ein Videosignal einigermaßen schnell mit zu übertragen; und eine Videokamera hat sich in Handys schon lange durchgesetzt.
Doch der Haken an der Sache war immer der Preis. Ein paar Euro pro Minute lassen die Provider sich den Service gerne kosten. Die Folge: niemand verwendet die Technik, viele dürften nicht einmal wissen, dass ihr Handy das theoretisch kann.
Wie es auch beim mobilen Internet war… und wie hier Apple den Markt von hinten aufrollte, ist Geschichte.
Doch nun scheint es, als würde sich die Geschichte bei der Videotelefonie zu wiederholen: mit dem iPhone 4 wurde Mitte des Jahres Apples Antwort auf Videotelefonie vorgestellt: FaceTime.

Funktionalität

FaceTime bietet Videotelefonie, nicht mehr und nicht weniger. Nur-Audio gibts nicht, Chat gibts nicht. Clients gibt es bis jetzt genau drei Stück: einen für das iPhone 4 (der ist in die normale Telefon-App eingebaut), einen für den iPod Touch der 4. Generation und einen für Mac OS X. Benutzer älterer iOS-Geräte schauen genauso in die Röhre wie Benutzer alternativer Mobiltelefone oder Betriebssysteme (solls ja geben).
Theoretisch soll FaceTime offen für andere Hersteller sein, allerdings ist davon bis jetzt nichts auf dem Markt.

Die große Stärke von FaceTime ist die Authentifizierung: es geht weg vom altbekannten Chatclient-Kontaktlisten-Onlinestatus-Paradigma und bewegt sich eher in Richtung klassische Telefonie: habe ich die Nummer meines Gesprächspartners, kann ich ihn anrufen, wann immer ich will. Entweder er geht dann ran oder eben nicht.
Das mit der Nummer ist dabei durchaus wörtlich zu verstehen: iPhone-4-Besitzer facetimet man über ihre Rufnummer an. Alle anderen (momentan also iPod-Touch- und Mac-User), die eben keine Rufnummer haben, ruft man auf ihrer eMail-Adresse (ihrer Apple-ID) an.

Hintergrund

FaceTime ist komplett VoIP-basiert, es fallen also keine Gesprächskosten an – aber natürlich benötigt man eine Internet-Verbindung.
Auf dem iPhone muss es sich dabei zur Zeit zwangsläufig um eine WLAN-Verbindung handeln, über das Mobilfunknetz verweigert FaceTime den Dienst. Dies ist wohl der doch leider immer noch geringen Bandbreite sowie den verhältnismäßig hohen Kosten für eine zuverlässige Videoverbindung seitens der Mobilfunkprovider geschuldet – technisch wäre es kein Problem, doch Apple ist der Meinung, dass es zur Zeit mehr Ärger als Nutzen brächte, würde FaceTime auch über das Mobilfunknetz funktionieren.

Aber wie findet FaceTime ohne Mobilfunknetz den richtigen Gesprächspartner im weiten Internet? Die Lösung heißt SIP und ist ein etablierter Standard für Internettelefonie. Sowohl eMail-Adressen als auch Telefonnummern können dank SIP in eine URL übersetzt werden, die aus dem Internet erreichbar ist.
Heißt in der Praxis: ich kann eine beliebige eMail-Adresse oder Telefonnummer „anfacetimen“. Antwortet unter der entsprechend generierten SIP-URL ein Gerät, kann die Verbindung aufgebaut werden. Dabei ist es bei mehreren mit der gleichen eMail-Adresse aktivierten Geräten so, dass ersteinmal alle klingeln, und man sich aussuchen kann, wo man antwortet. Ruft man jemanden allerdings über die Telefonnummer an, klingelt nur sein iPhone 4 (da nur dies die Authentifizierung über die Rufnummer unterstützt).
Damit das funktioniert, muss bei Apple irgendwie eine Datenbank vorgehalten werden, die speichert, wer unter welcher eMail-Adresse bzw. Telefonnummer gerade erreichbar ist und wer nicht. Deswegen sendet das iPhone beim erstmaligen Aktivieren von Facetime eine dubiose versteckte SMS nach Großbritannien (die allerdings nicht berechnet werden dürfte).
Die Clients von iPhone und Mac werde ich im Folgenden getrennt betrachten, da sie sich doch etwas unterscheiden:

FaceTime im iPhone

Ich habe bewusst „im“ iPhone geschrieben, weil die Funktion direkt in die Telefon-App hineingestrickt ist. So gibt es die Möglichkeit, während eines normalen Gesprächs zwischen zwei iPhone-4-Besitzern bei Bedarf auf FaceTime umzuschalten.
Natürlich kann man aber auch ganz normal über das Adressbuch einen FaceTime-Anruf starten, indem man eine eMail-Adresse oder eine entsprechende Nummer anruft. Dann kommt während dem Gespräch die Frontkamera des iPhone 4 zum Einsatz (gleichzeitig die Erklärung, warum es die Funktion auf den älteren iPhones nicht gibt) – wobei man auf Knopfdruck auf die Kamera an der Rückseite umschalten kann, um dem Gesprächspartner zu zeigen, was man sieht.

Wie bei Videotelefonie üblich, sieht man den Gesprächspartner fullscreen und sich selbst in einem kleinen, frei in die Ecken verschiebbaren Fensterchen. Auch der Bewegungssensor des iPhone wird unterstützt, so kann man auch das übertragene Bild zwischen Hoch- und Querformat umschalten.

FaceTime auf dem Mac

Im Rahmen der Back-to-the-Mac-Keynote stellte Apple am 20. Oktober 2010 eine Beta-Version des FaceTime-Clients für Mac OS X (ab 10.6 Snow Leopard) vor.
Entgegen der Erwartungen ist FaceTime nicht in iChat integriert, sondern eine eigene App. Dabei muss die App nicht (!) gestartet sein, um FaceTime-Anrufe empfangen zu können – es ist das gleiche Konzept wie auf dem iPhone. Telefonie- statt Chatparadigma. Wer nicht erreichbar sein will, muss FaceTime in den Einstellungen explizit deaktivieren. Gerade bei Präsentationen o.ä. sollte man das wohl tun. Ansonsten kann eben jederzeit ein Anruf hereinkommen, wie man das vom Telefon her kennt – natürlich muss man diesen nicht annehmen. Dennoch ein mutiger Schritt.

Die App selbst sieht ähnlich aus wie QuickTime X und lädt direkt mal das gesamte Adressbuch. Ist der Gesprächspartner auf einem iPhone 4 und wechselt ins Querformat, dreht sich das Bild nicht auf die Seite, sondern das Fenster nimmt ebenfalls Querformat an. Auch das Bild der iSight-Kamera des Macs kann auf Hochformat umgestellt werden (in diesem Fall wird offenbar einfach rechts und links etwas abgeschnitten).
Weitergehende Funktionalitäten lassen sich wie auch auf dem iPhone vermissen, es gibt keinen Chat oder gar eine Funktion wie iChat Theater.

Fazit

FaceTime funktioniert, FaceTime ist einfach. Tatsächlich ist es der simpelste Videotelefonie-Ansatz, den ich kenne – und genau deswegen könnte er sich durchsetzen.
Zumindest auf Apple-Geräten. Denn ob es in näherer Zukunft Geräte anderer Hersteller mit FaceTime-Unterstützung geben wird, ist fraglich – zumal Apple bis jetzt keine technischen Details veröffentlicht hat.

Ein Problem hat FaceTime aber dennoch, wie auch iChat und Skype: die Videotelefonie funktioniert nicht wirklich zuverlässig.
Oft gelingt der Verbindungsaufbau erst nach ein paar Versuchen. Ein Problem, das es für Videotelefonie erst noch zu lösen gilt, wenn sie so einfach wie herkömmliche Telefonie funktionieren soll.
Bis dahin bleibt es ein nettes Gimmick, das durch FaceTime nun auch mobil funktioniert (was Skype ja immer noch nicht geschafft hat).

Achja, und es wäre noch wünschenswert, FaceTime auch über das Mobilfunknetz zu nutzen, was laut Apple nur wegen den Providern deaktiviert ist. Also, liebe Mobilfunkprovider: anstatt anderen Unsinn zu finanzieren, baut jetzt einfach mal ein flächendeckendes LTE-Netz.

⇒ Zum Mac-Client für FaceTime

iPhone-Games-Roundup

Heute gibt es mal drei kleine iPhone-Games, die in letzter Zeit Aufsehen erregt haben und die auf keinem iPhone fehlen sollten.

Der Klassiker: Flight Control


Eigentlich schon relativ alt, aber immer noch gut. Man muss verschiedene Flugzeugtypen auf die jeweils richtige Landebahn leiten, ohne dass es zu einem Crash kommt. Die Steuerung ist dabei relativ genial, die 2D-Vektorgrafiken sehr hübsch. 5 Flughäfen in verschiedenen Schwierigkeitsgraden stehen zur Auswahl. Garniert wird das ganze mit GameCenter-Anbindung. Als Universal-App für iPhone, iPod und iPad erhältlich, für 79 Cent im iTunes Store.

Für Zwischendurch:
Cut the Rope

Aus der Kategorie „Geschicklichkeit“: Level für Level gilt es, ein kleines Monster mit „Candy“ zu füttern. Dazu muss man im Regelfall Seile durchschneiden, Seifenblasen zerplatzen lassen oder auf Luftballons drücken. Momentan gibt es 100 Levels, weitere sollen aber noch per Update dazukommen.
Kurzweilig und ebenfalls mit GameCenter-Anbindung – für 79 Cent im iTunes Store.

Hübsches Rennspiel: Reckless Racing

Gute Rennspiele leben von ihren Strecken. Diese waren schon die große Stärke von Klassikern wie den alten Need-For-Speed-Teilen oder auch Flatout 2. An letzteres erinnert auch Reckless Racing: sehr detaillierte Strecken irgendwo in den USA, über die mit entsprechenden Autos geheizt wird. Dabei steht der Fahrspaß eindeutig im Vordergrund, dennoch kommt das Spiel mit Physik-Engine (und extrem driftendem Kurvenfahrstil) und in 3D – wobei man die Strecken nur von oben sieht. Leider sind die Strecken recht kurz und nicht sehr zahlreich, immerhin scheint es in der iPad-Version drei zusätzliche Strecken zu geben (was ich aber mangels iPad nicht ausprobieren konnte). Sehr schade ist auch, dass es keine Anbindung an das GameCenter gibt. Dennoch eine klare Empfehlung für jeden, der auf hübsche Grafik steht. Kommt in zwei Versionen für das iPad (3,99€) und natürlich für das iPhone (2,39€).

Übrigens: mich findet man in Apples GameCenter als iRuben.

HTML5-Geolocating-Demo

Eigentlich nicht wirklich HTML5, aber im Zuge dessen in die meisten Browser Einzug erhalten hat die Geolocation API. Damit ist nun auch am Computer möglich, was man vom Smartphone kennt: eine Lokalisierung des Nutzers (je nach Hardware über GPS, WLAN oder Internetanschluss).

Damit habe ich mir eine einfache Web-App zusammengebastelt: einen Orts- und Wetteranzeiger. Sollte in einem halbwegs aktuellen Browser einigermaßen funktionieren, man muss nur die Sicherheitsabfrage des Browsers bestätigen.

Zur Web-App: http://geoweather.sprachkonstrukt.de

Genauere Infos

Ein neuer Bahnhof für Stuttgart

Ich bin für „Stuttgart 21“, den futuristischen neuen Durchgangsbahnhof für Stuttgart mit der ICE-Neubaustrecke Stuttgart – Ulm. Warum?

Überblick

Seit 1994 in Planung, soll im Rahmen von „Stuttgart 21“ folgendes passieren:

  • [caption id="attachment_592" align="alignright" width="150" caption="Skizze: der grüne Bereich wird abgerissen, der Rest bleibt."][/caption]Das bestehende Bahnhofgebäude inkl. Turm soll – Überraschung – nicht abgerissen werden, lediglich die seitlichen Anbauten parallel zu den Gleisen des alten Kopfbahnhofs werden abgerissen, um Platz für den neuen Park zu machen.
  • Parallel zum bestehenden Bahnhofsgebäude wird ein unterirdischer Durchgangsbahnhof gebaut. An der Oberfläche ist dieser durch Lichtaugen erkennbar, die von einem Park umgeben sein werden, der an den bestehenden Schlossgarten angrenzt.
  • Rund 100 Hektar Fläche, die momentan von den weitläufigen Gleisanlagen mitten in Stuttgart mit einer Betonwüste verschandelt sind, werden frei für neue Stadtteile und eine großzügige Erweiterung von Rosensteinpark und Schlossgarten.
  • Am Flughafen wird ein ICE-Bahnhof entstehen, wodurch dieser direkt an das Netz der Bahn angeschlossen wird (momentan muss man mit der S-Bahn zum Flughafen fahren).
  • Es wird eine Neubaustrecke nach Ulm geben. Dadurch wird die momentan völlig überlastete Strecke durch Neckar- und Filstal entlastet (durch das Nadelöhr an der Geislinger Steige, wo sich alle Züge – egal ob Regionalbahn, Güterzug oder ICE – zur Zeit zwei Gleise teilen, kommt es häufig zu massiven Verspätungen und Zugausfällen). Die Fahrzeit Stuttgart – Ulm wird sich von zur Zeit rund 1h auf nur noch 28 Minuten verkürzen, die Bahn wird endlich wieder zu einer Alternative zum Auto.

[caption id="attachment_590" align="aligncenter" width="550" caption="Der momentane Bahnhof. Schön zu sehen das Hauptgebäude mit Turm rechts und der Nordflügel im Zentrum. Von Links kommen die Züge an. Im Hintergrund der Schlossgarten."][/caption]
[caption id="attachment_591" align="aligncenter" width="550" caption="Der neue Bahnhof. Rechts wieder das Hauptgebäude, davor im Zentrum um 90° gedreht der neue Bahnhof mit den Lichtaugen."][/caption]

Am 1. August wurde nun damit begonnen, die Seitenflügel abzureißen – Grund für viele Stuttgarter, „gegen die Zerstörung des Bahnhofs“ auf die Straße zu gehen. Dabei hätten sie sich nur einmal über das Projekt informieren müssen (seit 1998 gibt es im Bahnhofsturm eine Ausstellung), um festzustellen, dass das alles gar nicht so schlimm ist, sondern eigentlich sogar ziemlich cool und definitiv sinnvoll.

Die Finanzierung

Das Projekt ist teuer, klar. Und es wird außerdem immer noch teurer, auch das ist klar – kaum ein Bauprojekt, ob staatlich oder privat, kann im zu Beginn festgesetzten Kostenrahmen bleiben. Die Gesamtkosten werden zur Zeit auf ca. 7 Mrd. Euro für das gesamte Projekt geschätzt. Doch selbst für das doppelte wäre ich noch dafür: was sind schon 10 oder 15 Mrd. für ein Projekt für die Menschen im Kontext von Rettungspaketen der locker zehnfachen Höhe für irgendwelche Banken, die sich verspekuliert haben?
Abgesehen davon sind 7 Mrd. Euro nur ca. 1% der Steuereinnahmen aus Baden-Württemberg, außerdem wird ein nicht unbeträchtlicher Teil der 7 Mrd. als Steuereinnahmen wieder zurück in die Staatskasse gespült (Quelle).

Umwelt & Stadtentwicklung

Skurill sind die Beschwerden der Umweltschützer an Stuttgart 21. Zwar werden einige schöne alte Bäume im Schlossgarten hinter dem Bahnhof im Zuge der Bauarbeiten gefällt. Allerdings wird die riesige Gleiswüste mitten in der Stadt verschwinden und der Park wird erweitert.

Befürchtet wird auch, dass durch die Tieferlegung des Bahnhofs Grundwasser und Mineralwasser gefährdet werden. Allerdings würde sich die Stadt dadurch im wahrsten Sinne des Wortes selbst das Wasser abgraben, die Stuttgarter Mineralbäder sind alle in Hand der Stadt. Außerdem liegen die bestehenden S-Bahn-Tunnel noch tiefer als der neue Bahnhof, und bei deren Bau gab es auch keine Probleme.
Überhaupt wundert mich, dass so viele kritisieren, dass der Bahnhof unterirdisch sein wird. Das Stadtbild der Zukunft lebt doch davon, dass möglichst viel unterirdisch ist, und die Oberfläche durch Parks und Grünanlagen gestaltet wird. Stuttgart 21 geht hier definitiv in die richtige Richtung. Wer sieht etwa lieber endlose Gleisanlagen als einen grünen Park, wenn er aus dem Fenster blickt?

Populismus & Politik

Um die Hintergründe der Proteste und Demonstrationen zu verstehen, muss man über die baden-württembergische Landespolitik informiert sein. Seit 1953 ist der Südwesten fest in Hand der christlich-konservativen CDU, meist in Koalition mit der neoliberalen FDP. SPD und Grüne haben seit jeher einen schweren Stand in Baden-Württemberg.
Stuttgart 21 als Projekt des Landes wird von der CDU unterstützt und verteidigt. Hier sahen und sehen insbesondere die Grünen ihre Chance, Opposition zu beziehen und sind mittlerweile leider im Rausch der Möglichkeit eine Regierungsbeteiligung bei den kommenden Landtagswahlen völlig dem Populismus verfallen. Auch die SPD, eigentlich für Stuttgart 21, wittert ihre Chance, und ist nun ebenfalls für einen Volksentscheid über das Projekt.

Eigentlich ist die Situation geradezu paradox: ein modernes, öko-soziales Musterprojekt wird von den sonst so modernen, öko-sozialen Grünen aus konservativ-nostalgischen Gründen aufs Schärfste kritisiert, während die konservative CDU dafür ist.

Ausblick

Nach 16 Jahren wurde nun endlich mit dem Bau angefangen. Über eine Webcam der Projektgegner kann man dem Abrissbagger derzeit bei der Arbeit zusehen und sich am Verhältnis Demonstranten – Polizisten erfreuen (meist kommt ca. 1 Demonstrant auf 10 Polizisten).
Die Kosten, die die Gegner durch den Polizeieinsatz tagtäglich verursachen, werden von diesen unterdessen geflissentlich ignoriert.
Dass das Projekt noch gestoppt werden kann, glauben selbst die Gegner mittlerweile überwiegend nicht mehr – wie auch, seit Jahren sind Verträge unterzeichnet, deren Bruch hohe Vertragsstrafen nach sich ziehen würde. Selbst der Erfolg eines Volksentscheids ist sehr zweifelhaft.
Sollte der Populismus den Grünen zur Regierungsbeteiligung verhelfen, soll es mir auch recht sein, an S21 wird das glücklicherweise aber auch nichts ändern können.
Das einzige, was die Demonstranten erreichen, ist eine Verlängerung der Bauzeit und eine daraus resultierende Kostenexplosion.
Wie wäre es, wenn man, anstatt gegen den Umbau eines Bahnhofs, mal gegen wirklich wichtige Dinge demonstrieren würde? Atomkraft, Krieg, Überwachungsstaat…?

Nespresso


Da meine alte DeLonghi EC 9 LM leider nie so richtig funktioniert hat, entschloss ich mich, sie durch eine Nespresso-Maschine zu ersetzen.

Die Maschine: Krups XN 2120


Kapselsysteme haben den Ruf, überteuert zu sein. Tatsächlich kann man für eine Nespresso-Maschine locker 500 Euro ausgeben, z.B. für die DeLonghi EN 720 M Lattissima, aber es gibt auch recht günstige Maschinen. Für eine solche habe ich mich entschieden:

Die Krups XN 2120 New Essenza in schwarz. Ich habe für sie 106 Euro bezahlt, seltsamerweise ist sie momentan wieder etwas teurer.
Der Vorteil: jede Nespresso-Maschine hat den „echten“ Espressomaschinen-Pumpendruck von 19 bar und kann Espresso und normalen Kaffee („Lungo“) zubereiten, egal aus welcher Preisklasse sie ist. Die teureren Maschinen unterscheiden sich nur in der Größe und bieten Zusatzfeatures wie eine Milchschäumvorrichtung, Teezubereitung oder eine Tassenwarmhalteplatte.

Die Kaffeezubereitung ist denkbar einfach: prüfen, dass der Wassertank voll ist, Kapsel einlegen, auf einen der beiden Knöpfe drücken, fertig. Die Maschine wärmt dabei schnell auf (ca. 1 min), bei längerer Nichtbenutzung geht sie in einen Energiesparmodus. Und der Kaffee hat echte „Crema“, wie bei einer klassischen, professionellen Espressomaschine.
Aufwändiges Putzen entfällt dabei komplett, zum Reinigen lässt man kurz etwas Wasser ohne Kapsel durchlaufen, und ab und zu muss man den Behälter für die verbrauchten Kapseln entleeren.

Die Kapseln


Von Nespresso „Grands Crus“ genannt, kostet eine Kapsel ca. 33-35 Cent. Wenn man bedenkt, dass man dafür Espresso in Café-Qualität bekommt, wo man gut und gerne das Zehnfache bezahlt, ist der Preis eigentlich in Ordnung.
Es gibt 16 Sorten (plus Sondersorten), darunter auch entkoffeinierte und speziell für „Lungo“, also normalen Kaffee, geeignete. Sie variieren in Intensität, Geschmack und Herkunft.
Kauft man eine Maschine, bekommt man ein Willkommenspaket, in dem jede Sorte einmal vertreten ist. So kann man in Ruhe durchtesten, was einem am besten schmeckt.
Ich habe mich für Arpeggio, den lilafarbenen Espresso, und für Fortissio, den Lungo in der dunkelgrünen Kapsel, entschieden.
Da meine normalen Tassen leider nicht unter den Kaffeeauslauf passen, habe ich mir noch weiße Porzellantassen von Nespresso dazu gegönnt.

Der Club

Nespresso will hochwertig und exklusiv sein. Daher gibt es die Grands Crus ausschließlich in den spärlich vorhandenen Nespresso-Boutiquen (z.Zt. insgesamt 8 in ganz Deutschland) und online. Für eine Online-Bestellung muss man im Nespresso-Club Mitglied werden, was allerdings mit keinerlei Verpflichtungen o.ä. verbunden ist, im Gegenteil, man kommt dadurch z.B. auch in den Genuss von persönlichem Besuch von Nespresso, wenn die Maschine kaputt geht.
Eine online aufgegebene Nespresso-Bestellung ist meist schon am nächsten Tag da, auch eine Lieferung an eine Packstation ist möglich (leider keine Selbstverständlichkeit).

Fazit

Der Kaffee schmeckt genial, und insgesamt ist das System gar nicht so teuer, wie man denkt.
Die bei der Krups XN 2120 fehlende Milchaufschäumvorrichtung ist für mich kein Problem, da ich dafür einen Bodum Latteo habe.
Alles in allem die perfekte Lösung für alle, die hohe Ansprüche an ihren Kaffee haben, aber sich keinen teuren Vollautomat kaufen können oder wollen (wobei die teureren Maschinen auch Vollautomat-Funktionen haben). Vor allem, wenn man die Maschine nicht täglich nutzt (gerade als Student), ist eine Nespresso-Maschine mit ihren Kapseln den klassischen Maschinen natürlich überlegen, weil hier keine frischen Bohnen im Gehäuse vor sich hin gammeln, sondern der Kaffee immer frisch aus den Kapseln kommt.

Zum Weiterlesen: neunzehn72.de hat auch eine Nespresso-Maschine, und zwar das Topmodell DeLonghi EN 720 M Lattissima.