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Von Google zu iCloud (zumindest teilweise)

Bis vor kurzem gab es in Sachen Cloud-Dienste für mich nur einen ernsthaften Anbieter: Google. Mail, Kontakte, Kalender, alles bei […]

Bis vor kurzem gab es in Sachen Cloud-Dienste für mich nur einen ernsthaften Anbieter: Google. Mail, Kontakte, Kalender, alles bei Google und dadurch auf allen Geräten synchron.

Durch die Einführung von Apples iCloud bietet sich nun aber, vor allem wenn man hauptsächlich Obsthardware hat, eine interessante Alternative.

Mail bei Google, Kalender und Kontakte zu iCloud

Dabei habe ich mich entschieden, mit den eMails bei Google Mail zu bleiben: zwar bietet iCloud auch einen IMAP-Server an, aber „nur“ mit 5 GB Speicher, die obendrein mit den anderen iCloud-Diensten geteilt werden. Außerdem bietet iCloud nicht die Möglichkeit, als POP-Client eMails von Legacy-Mailprovidern (Hallo web.de! Hallo Hotmail!) abzuholen, eines der besten Features von Google Mail. Und dann, das ist wirklich ein Totschlagargument, können bei iCloud derzeit keine Alias-Adressen von anderen Servern verwendet werden. Ich kann also z.B. nicht eMails mit meiner Uni-Mailadresse oder der @sprachkonstrukt.de-Adresse versenden.
Abgesehen davon hatte ich mit dem Dienst von Google Mail wirklich noch nie Probleme.

Anders verhält es sich da bei Kalendern und Kontakten: Der Kontakte-Sync über Googles Server auf Mac und iOS-Geräte unterstützt bis heute keine Kontakte-Gruppen und legt außerdem die Kontaktbilder in Briefmarkenauflösung ab, anstatt als eigentlich am iPhone verwendeten Fullscreen-Kontaktbilder. Der Google-Kalender synchronisiert die Farben von verschiedenen Kalendern nicht auf iOS, und am Mac gibt es des öfteren Verbindungsprobleme. Eine genaue Anleitung, wie man Google Sync auf iOS-Geräten und am Mac einrichtet, habe ich hier geschrieben.

Daher startete ich jetzt den Umzug von Kalendern und Kontakten auf iCloud:
Bei Google kann man sich glücklicherweise recht einfach alle Daten exportieren. Im Kalender kann man in den Einstellungen die kompletten Einträge als .ics-Datei herunterladen; im Adressbuch gibt es eine ähnliche Funktion.
Am Mac sollte man dann Adressbuch- und Kalendersynchronisation mit Google deaktivieren und iCloud aktivieren. Die Daten werden dann ganz bequem durch die Importfunktion der Mac-Programme eingespielt und leben von diesem Zeitpunkt an in der Cloud.
Auf iOS-Geräten, wo Google als Exchange-Account eingerichtet sein sollte, deaktiviert man einfach die Synchronisation von Kontakten und Kalendern und behält nur die eMails.

iCloud: der Rest

Ich habe mir dennoch einen iCloud-Mailaccount zugelegt. Den verwende ich zwar nicht aktiv, aber an dem Account hängt eine Notizensynchronisation, was auch ganz praktisch ist.
Die neuen Erinnerungen aus iOS 5 synchronisiert iCloud übrigens in die Kalender-App am Mac.

Übrigens kocht iCloud auch nur mit Wasser. Kalender und Kontakte sind CalDav bzw. CardDav erreichbar. Für Windows gibt es eine eigene Systemsteuerung.

Die restlichen Features von iCloud sind auch recht praktisch:
Auto-Download von gekauften Apps und Büchern (Musik kommt vielleicht irgendwann auch in Deutschland noch), Synchronisation von Dokumenten (leider noch nicht auf die iWork-Suite am Mac), und die Möglichkeit, Geräte zu orten. Letzterer Dienst kann auch für die neue Apple-App „Meine Freunde suchen“ verwendet werden: so ähnlich wie Google Latitude. Wäre schön, wenn sich das durchsetzen würde und es in ein paar Jahren völlig normal ist, zu wissen, wo seine Freunde und Familie sich gerade befinden.

Das Killer-Feature von iCloud ist für mich aber der Fotostream. Einmal aktiviert, werden neu geschossene Fotos von allen verbundenen Geräten synchronisiert. Auch Fotos, die in eine Fotoverwaltungssuite wie iPhoto oder Aperture von einer Kamera importiert werden, wandern direkt auf verbundene iOS-Geräte.

Soweit alles super. Mails in Googles bunter Wolke, der Rest in Apples Edelstahl-Wolke.

Konfliktpotential

Es bleibt aber spannend, zu beobachten, welche Auswirkungen die neue Technik auf die Menschen hat. Gerade der Fotosteam und „Meine Freunde finden“ hat kleinere bis mittlere Katastrophen im zwischenmenschlichen Bereich vorprogrammiert.
Man sollte immer im Hinterkopf behalten, was iCloud macht – beispielsweise landen bei aktiviertem Fotostream alle mit dem iPhone geschossenen Fotos auf allen anderen Geräten. Fotos aus dem Schlafzimmer landen also auch auf dem Apple-TV der Eltern, auf dem man zufällig den gleichen Account eingerichtet hat.
Auch „Meine Freunde finden“ kann problematisch werden: es ist schnell aktiviert und lässt sich sogar mit einer Kindersicherung versehen. Glücklicherweise verlangt die App bei Start grundsätzlich das Passwort. Es wird aber sicher Eltern geben, die den Dienst auf den Geräten ihrer Kinder ohne deren Wissen aktivieren wollen.
Prinzipiell ist der Dienst aber extrem praktisch. Bleibt zu hoffen, dass er sich auch im paranoiden Deutschland durchsetzen kann. Ich habe seit fast einem Jahr Google Latitude im Dauerbetrieb und mir geht es sehr gut damit. Es ist ein gutes Gefühl, zu wissen, dass andere Leute im Notfall wissen, wo man ist. Und sollte man doch mal etwas sehr privates vorhaben, ist der Dienst ja jederzeit im Handumdrehen wieder deaktiviert.

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