Alternative Nespresso-Kapseln
Ich habe ja schon seit Längerem eine Nespresso-Maschine. Inzwischen ist das Kapselsystem gefühlt extrem weit verbreitet und es regt sich teilweise Widerstand: Nespresso sei böse, hört man immer häufiger. Prominent wurde diese Meinung durch ein YouTube-Video der NGO Solidar Suisse.
Kritikpunkte: die Kaffeebauern würden ausgebeutet und die Kapseln seien eine ökologische Katastrophe. Auch Greenpeace schlägt auf Nespresso ein und pocht auf Verpackungsvermeidung – da bleibt dann aber nur noch die Kilotüte Espressobohnen. Da die Nespresso-Maschinen aber nunmal Kapseln benötigen, fällt diese Lösung flach. Bleiben alternative Kapseln. Seit kurzem gibt es bei Rewe Nespresso-kompatible Kapseln der Ethical Coffee Company. Diese sind biologisch abbaubar, können also auf den Biomüll. Ob das auch die Plastikfolie umfasst, die die Kapseln beinhaltet, lässt sich leider nicht sagen. Auch scheint sich das „ethical“ nur auf die ökologischen Teil zu beziehen, nicht auf den sozialen – ein FairTrade-Siegel fehlt wie bei den Original-Nespresso-Kapseln auch, über den Herkunft des Kaffees schweigt sich die Ethical Coffe Company aus. Nespresso behauptet zumindest, die Kaffeebauern gut zu bezahlen.
Für einen Vergleichstest habe ich eine 10er-Packung „Espressivo“ gewählt, die eine Intensität von 5/6 hat und damit wohl am vergleichbarsten mit den Nespresso „Arpeggio“ ist (Intensität 9/10).
Die Packung kostet bei Rewe 2,99 € – was einen Kapselpreis von rund 30 Cent ergibt. Kein so großer Unterschied zu Nespresso, wo die Kapsel 35 Cent kostet. In der Woche (10 Kaffees) spare ich also rund 50 Cent.
Beim Auspacken fällt als erstes auf, dass die Kapseln etwas seltsam riechen – ein bisschen nach feuchter Pappe mit Kaffeeflecken.
Die ethische Kapsel geht etwas schwerer in die Maschine, da die Form vermutlich nicht so perfekt ist wie die der Alukapseln von Nespresso. Es funktioniert aber dennoch wie erwartet und der Kaffee fließt. Die Kapsel fiel bei meiner Krups XN 2120 auch korrekt in das Müllfach, angeblich ein Problem bei Nicht-Originalkapseln.

Ethical Coffee
In der Tasse fällt optisch direkt auf, dass die Crema der Ethical-Coffee-Kapseln sehr viel dünner und flüssiger ausfällt als beim Arpeggio von Nespresso und schneller zerfällt. Aber sie ist dennoch ausreichend vorhanden.

Zum Vergleich: Original-Nespresso
Geschmacklich ist Ethical Coffee durchaus trinkbar. Allerdings schmeckt er insgesamt etwas nach Konserve und nicht ganz so frisch wie der Nespresso, bei dem ich nie geschmeckt habe, dass der Kaffee aus der Kapsel kommt und nicht gerade eben frisch geröstet und gemahlen wurde.
Um ihn als Espresso zu trinken, würde ich eher abraten. Einer Verwendung im Cappucchino o.ä. steht aber nichts im Wege.
Fazit: für 5 Cent weniger bekomme ich Biomüll-Kapseln, die nicht ganz so gut schmecken wie der Nespresso und ich noch weniger weiß, woher der Kaffee kommt. Lohnt sich meiner Meinung nach nicht. Dennoch ist es natürlich gut zu wissen, dass ich nun im Notfall im Rewe Kapseln kaufen kann, wenn ich die Nespresso-Bestellung vergessen habe (Nespresso-Boutiquen sind ja leider nach wie vor recht rar).
Da ich meine Nespresso-Kapseln schon immer korrekterweise in den gelben Sack entsorge, damit das Aluminium wiederverwertet werden kann, kann ich damit leben, weiterhin den „bösen“ Nespresso zu kaufen. Und die 5 Cent Aufpreis sind mir die Qualität wert.




Ob Nespresso, d.h. Nestle böse ist – nun, dazu kann ich nichts sagen. Ich weiß zu wenig über das Unternehmen, um mir ein fundiertes Urteil zu erlauben. Zum Kaffee kann ich aber nach 5 Jahren “Lebensgemeinschaft” mit meiner DeLonghi Nespressomaschine Stellung nehmen.
Was soll ich sagen – ich liebe diese Art der Kaffeezubereitung! Ich liebe den Kaffee, den Lungo, den Espresso, meinen Milchkaffee, …. Bislang aber hatte ich mich immer noch gezügelt – und das lag nicht am Coffein, sondern vielmehr am Verpackungsmüll. Vor einigen Monaten hatte ich einmal bei Nespresso nachgefragt, ob sich der Konzern auch zum Thema Umweltschutz Gedanken macht. Als Antwort bekam ich zu hören, dass ich meine Kapseln in der gelben Tonne entsorgen könnte. Das Aluminium sich leider nicht deshalb automatisch gut recyceln lässt, nur weil man es in die gelbe Tonne werfen darf, ist kein Geheimnis. Und sorry, lieber Vorredner, aber da spreche ich Greenpeace doch ein bisschen mehr Fachkompetenz zu … Ich habe mich also echt und ehrlich darüber gefreut, als ich erfuhr, dass es nun Kaffeekapseln gibt, die zu 100% biologisch abbaubar sind. Jetzt war nur noch die Frage zu beantworten, wie der Kaffee schmeckt. Hier mein Ergebnis:
Ich habe 2 Tassen Espresso gegeneinander getestet – einmal Nespressos “Arpeggio” und einmal Ethical Coffes “Espressivo”. Gut, ich trinke meinen Espresso immer mit einem Teelöffel Zucker. Ja – der Geschmack ist anders. Ja, die Crema auch. Aber ich persönlich finde den Arpeggio nicht wirklich besser. Er schmeckt einfach nur anders. Mit dem Milchkaffee ging es mir nicht anders. Ich mag beide. Da mein Gewissen aber immer mittrinkt, siegt für mich klar Ethical Coffees Espressivo. (Lungo konnte ich nicht vergleichen, denn den gibt es noch nicht von Ethical Coffee.)
Zum Preis: Bislang zahle ich für so manches Bio-Produkt wesentlich mehr, als für das nicht-Bio-Produkt. Hier ist es genau anders herum! Zudem kann ich es jetzt auch noch in jeder Stadt um die Ecke kaufen (und spare Benzin). Also für mich sind das unschlagbare Argumente für ein stimmiges Preis-Leistungsverhältnis. Und wenn jetzt dann auch noch ein Bio-Kaffee in die Bio-Kapseln kommt (wovon ich in einem anderen Forum erfahren habe), dann ist das für mich echt ein Megahit!
Mein Fazit somit: Ich wechsle zu Ethical Coffee und Zwar zu 100%. Ich bin mit dem Produkt mehr als zufrieden. Geschmack, Preis und Erhältlichkeit finde ich super – damit für mich eine echte Alternative zu Nespresso. Und die Umweltverträglichkeit – sensationell. Vielen Dank, dass sich hier endlich einmal jemand Gedanken gemacht hat. Ich bin restlos begeistert! Man kann auch mit umweltverträglichen Produkten Geld verdienen. Weiter so. Ich bin Euer Fan!