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Mountain Lion

OS X 10.8 ist da. Zu diesem Anlass kein x-tes Review, sondern eine ganz subjektive Bewertung.

Mountain Lion

Natürlich habe ich gestern auch direkt OS X 10.8 installiert. Ich werde nun nicht das x-te mal alle neuen Features aufzählen. Auch werde ich keine 26.000 Worte über jedes noch so kleine Detail verlieren (letzteres ist übrigens eine gute Lektüre, während man auf Download und Installation wartet).

Notification Center

Bestes neues Feature ist für mich definitiv das Notification-Center, das die in die Jahre gekommene Drittanbieterlösung Growl bei mir ersetzt und eine hübsche, durchdachte Alternative darstellt. Am praktischsten dürfte dabei wohl der „Mute-Button“ sein, der nicht nur alle Notifications deaktiviert, sondern spätestens am nächsten Morgen auch wieder aktiviert. Tatsächlich würde ich mir so eine Funktion auch für Caffeine wünschen.

Derzeit herrscht im Notification Center noch gähnende Leere, die Unterstützung bei Dritt-Apps lässt bislang zu wünschen übrig. Für die Übergangszeit gibt es mit Hiss bereits einen kleinen Hack, mit dem Growl-Nachrichten in das Notification-Center umgeleitet werden. Im Growl-Blog wurde allerdings angekündigt, dass die neue Version der Growl-API bei Nichtvorhandensein von Growl automatisch das Notification-Center verwendet. Es ist also zu erwarten, dass früher oder später die meisten Apps, die bisher Growl verwenden, im Notification-Center auftauchen. Daher habe ich Growl nun deinstalliert.

Nachrichten

Ebenfalls hinten heruntergefallen ist bei mir Adium. Eigentlich eines meiner absoluten Lieblingsprogramme. Es ist seit dem Tag, an dem ich vor 5 Jahren meinen ersten Mac in Betrieb genommen hatte, eigentlich immer gelaufen. Allerdings stagnierte die Entwicklung in letzter Zeit, ist eben doch nur ein Open-Source-Projekt. Adium wurde bei mir jetzt ersetzt durch die neueste Inkarnation von iChat, das nur noch simpel „Nachrichten“ heißt.

Dabei hat die mit Mountain Lion ausgelieferte Version nur noch wenig mit der zugegeben ziemlich schrecklichen Beta-Version zu tun.
Haupt-Feature ist sicher immer noch iMessage, die SMS- und WhatsApp-Alternative von iOS.
Allerdings werden im gleichen Fenster auch andere Accounts angezeigt, und zwar wie bei Adium mithilfe von Adressbucheinträgen nach Personen gruppiert. Bei einer Person kann ich dann im Idealfall wählen, ob ich ihr per iMessage, per Google Talk, per Facebook (über Jabber) oder gar über ein Legacy-Protokoll wie ICQ über Jabber-Transport schreiben möchte. Natürlich sind auch Gruppenchats möglich.
Sehr angenehm ist auch, dass man ohne Kontaktliste zurechtkommt. Diese ist zwar auf Wunsch noch anzeigbar, wird aber nicht benötigt. Links vom Chatbereich werden einfach die letzten Konversationen angezeigt, auch können neue gestartet werden. Insgesamt erinnert „Nachrichten“ sehr an die SMS- und iMessage-Apps auf iPhone und iPad, mit dem Bonus, dass auch Nicht-Apple-Accounts unterstützt werden.
Offenbar wurde die Unterstützung von Audio- und Videotelefonie aus iChat gestrichen. Stattdessen kann über einen Facetime-Button die entsprechende App für Apples Videotelefonie aufgerufen werden.
Einziger Nachteil gegenüber Adium: es wird keine OTR-Verschlüsselung unterstützt. Aber das verwendet sowieso kaum jemand.

AirPlay Mirroring

Ein Feature, auf das ich mich eigentlich sehr gefreut habe. Allerdings machte sich Ernüchterung breit, als ich feststellte, dass mein MacBook Pro von 2010 nicht mehr unterstützt wird. Zwar kann ich Ton an das AppleTV (oder eine Airport Express) senden, allerdings kann das Airfoil schon immer und obendrein besser.
Abgesehen davon kann AirPlay Mirroring (auf allen Macs ab 2011 unterstützt) auch weniger als ursprünglich gedacht – es fehlt ein systemweiter AirPlay-Button, wie wir ihn von iOS kennen. Video im Browser, in QuickTime oder in VLC kann nicht direkt an das AppleTV weitergeleitet werden. Es handelt sich tatsächlich nur um eine Art externen Monitor über WiFi (worüber natürlich auch Filme geschaut werden können).

Der ganze Rest

Das neue Dock gefällt mir. Verwunderlich finde ich nur, dass die „das Programm läuft gerade“-LED-Anzeigen immer noch standardmäßig aktiviert sind. Seit ich sie in Lion deaktiviert habe, habe ich sie keine Sekunde vermisst. In Zeiten von 8+ GB Arbeitsspeicher und dem automatischen Beenden und Neustarten von Apps sind sie für mich wirklich obsolet.

PowerNap ist noch ein Neid-Feature, das nur auf Macs mit festverbauter SSD läuft (bisher MacBook Air 2011 und 2012 sowie Retina-MBP), aber sicher cool ist. Naja, nächstes Jahr dann.

Für mich schade ist, dass der mitgelieferte Apache-Webserver nicht mehr bequem über die Systemeinstellungen gestartet werden kann – aber immerhin ist er noch dabei.

Die Scrollbars, die seit Lion ja nur noch während dem Scrollen sichtbar sind, wurden unterdessen weiterentwickelt: sie überschneiden sich jetzt im Eck, wodurch kein seltsamer Abstand zum Rand mehr vorhanden ist, und – wohl die weitaus wichtigere Neuerung – sie werden breiter, wenn man sie mit dem Mauszeiger anfasst, wodurch das Springen an eine Stelle wieder einfacher wird. Nette Kleinigkeit: legt man nur zwei Finger auf das Trackpad, werden sie auch angezeigt – das „wackeln“, um die Position im Dokument sichtbar zu machen, wird überflüssig. Leider funktioniert Letzteres noch nicht im Chrome.

Spracheingabe: sicher ein nettes Feature, allerdings tippe ich auf der Hardwaretastatur definitiv schneller.

Dass die Updates jetzt alle im Mac App Store zu finden sind, ist nur sinnvoll. Ebenso, dass standardmäßig täglich und nicht nur wöchentlich nach Updates gesucht wird. Der nächste Schritt wäre wohl Auto-Updating (gerne auch optional), wie Chrome es macht.

Der allgegenwärtige Sharing-Button ist an sich auch eine nette Sache, allerdings ist hier definitiv eine öffentliche API nötig. Die Twitter-Integration ist aber schon ein guter Anfang, auf die angekündigte Facebook-Unterstützung freue ich mich.

Und zu guter Letzt ist da die iCloud-Dokumentenverwaltung. Ich verstehe den Ansatz, weg vom Dateisystem, hin zu Dokumenten „in ihrer App“. Bei Programmen, die ihren eigenen Dateityp haben (wie Pages, Numbers und Keynote) macht dies durchaus Sinn. Bei Dateien, die von mehreren Programmen verwendet werden, wird es aber sehr problematisch. Wenn ich in Programm A beispielsweise ein Bild in der iCloud speichere, würde ich als unbedarfter Nutzer erwarten, dass ich in Programm B auf ebendieses Bild zugreifen kann, indem ich hier auf das iCloud-Symbol klicke. Allerdings ist iCloud nicht Dropbox, stattdessen hat jedes Programm seinen eigenen Ordner in der iCloud. Dass auf diese Ordner über den Finder nicht wirklich zugegriffen werden kann, macht die Sache nicht einfacher.
Hier ist auf jeden Fall noch Nachbesserung am Konzept nötig.

Ein Fazit spare ich mir. Das Update ist auf jeden Fall empfehlenswert, zumal es mit 16 € wirklich für jeden erschwinglich sein sollte.
Revolutionär ist Mountain Lion nicht, aber eine sinnvolle Weiterentwicklung.

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