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Logitech Harmony Universalfernbedienung

Fazit: mächtig, aber hässlich – und eine Konfigurationssoftware aus der Hölle.

Wie bereits angekündigt, nervten mich die vielen Fernbedienungen meines TV-Setups. Insbesondere das doppelte Umschalten, am Fernseher und am Soundsystem, war kein dauerhaft zufriedenstellender Zustand.

Die Lösung liegt auf der Hand – eine Universalfernbedienung muss her. Zunächst bestellte ich mir eine aus der Supermarkt-an-der-Kasse-Kategorie, die Logitech Harmony 300i – ohne viel Schnickschnack, für unter 20 Euro.

Dieses günstige Einsteigermodell erwies sich jedoch leider als völlig unnütz. Zur Konfiguration kann keine Software verwendet werden, es muss zwangsläufig eine Silverlight-Webanwendung auf myharmony.com verwendet werden. Diese kann ziemlich genau gar nichts.
Kern-Feature der Fernbedienung ist die „Watch TV“-Taste, die immerhin den Fernseher und das Soundsystem gleichzeitig anschalten kann – das ist aber auch schon alles. Hat man noch mehr Zuspielgeräte, wie eine Spielekonsole oder ein Apple TV, hilft die Harmony 300 leider überhaupt nicht weiter.

Also zurück zu Amazon damit und das nächstgrößere Modell bestellt: die Logitech Harmony 600, für gut 30 Euro. Das ist das gleiche Modell wie die doppelt so teure 650er, allerdings ohne Farbdisplay.

Die Harmony 600 hat nicht nur eine „Watch TV“-Taste, sondern immerhin 4 sogenannte Aktionstasten, plus weitere über das Display auswählbare Aktionen. Insgesamt sagenhafte 54 Tasten.

Die Aktionen sind das Kernkonzept einer Harmony-Fernbedienung. Eine Aktion hat normalerweise ein bestimmtes Ziel, zum Beispiel „Fernsehen“, „Film schauen“ oder „Spielen“. Für diese Aktion können dann mehrere Befehle in einer Sequenz hinterlegt werden, die nacheinander ausgeführt werden: zum Beispiel hat meine „Watch a Movie“-Aktion die Sequenz „Fernseher einschalten“, „Apple TV einschalten“, „Soundsystem einschalten“, „Fernseher auf HDMI 2 stellen“, „Soundsystem auf Toslink 1 stellen“. Die Fernbedienung ist anschließend im „Movie“-Modus und steuert das Apple TV. Will ich Fernsehen, wird das Apple TV abgeschalten, Soundsystem und Fernseher auf TV umgestellt und die Fernbedienung in den „Fernsehen“-Modus versetzt. Die Fernbedienung merkt sich dabei z.B., ob der Fernseher schon an ist und schickt immer nur die notwendigen Befehle.


Für die Konfiguration ist die „Logitech Harmony Remote Software“ mitgeliefert. Diese ist eine absolute Zumutung, kaum benutzbar, langsam, stürzt regelmäßig ab, vergisst Einstellungen oder funktioniert einfach nicht. Also genau so, wie man es von Logitech erwartet. Die Konfiguration meiner Fernbedienung hat locker 2-3 Stunden gedauert, so viel Zeit und Geduld sollte man auf jeden Fall mitbringen.

Zunächst werden die vorhandenen Geräte angelegt. Die meisten davon kennt die Software, man muss also nicht manuell die Infrarotbefehle der Originalfernbedienung aufzeichnen. Allerdings kann es dennoch zu Problemen kommen: mein Panasonic-Fernseher beispielsweise schaltet sich nur ein, wenn man mindestens 2 Sekunden auf den On-Knopf drückt (auch bei der Originalfernbedienung). Dieses Verhalten muss man der Software manuell beibringen.

Außerdem kennt die Software offenbar nur das alte Apple TV mit Festplatte, hier musste ich für mein Apple TV 3 alle Fernbedienungsbefehle manuell übertragen – sind zum Glück nur sieben Tasten.
Interessant ist, dass die meisten Geräte mehr Befehle verstehen, als auf ihren Fernbedienungen Tasten vorhanden sind. So haben die Fernbedienungen von TV und Soundsystem bei mir jeweils nur eine Taste, um die Eingänge durchzuschalten – es sind aber Befehle für jeden einzelnen Anschluss vorhanden, man kann also direkt angeben, welcher Eingang ausgewählt werden soll und muss nicht mehrfach hintereinander den Durchschaltbefehl senden.

Allerdings gibt es auch nicht für alles Befehle – insbesondere Einstellungen, die am TV tief im Menü versteckt sind, lassen sich meist nicht über einen eigenen Befehl steuern. So etwas wie automatisch die Surroundeinstellung umstellen funktioniert also nicht. Man kann zwar manuelle Befehlssequenzen der Form „Menü – Runter – Runter – Auswählen – Runter – Auswählen“ eingeben, solche Sequenzen dauern dann aber schonmal 5 bis 10 Sekunden, und wenn ein Befehl davon nicht korrekt ankommt, funktioniert es nicht.

Sind alle Geräte soweit eingerichtet, kann man sich die Aktionssequenzen zusammenstellen, die auf die vier Haupttasten gelegt werden können. Es kann dann auch eingestellt werden, dass z.B. die Lautstärketasten immer das Soundsystem ansprechen sollen und nie den Fernseher direkt.
Ist alles soweit eingestellt, schließt man die Fernbedienung per USB-Kabel an und hofft, dass die Software die Synchronisation ohne Absturz zu Ende bringt (klappt ungefähr jedes dritte Mal) und auch alles funktioniert.

Durch einen Bewegungssensor wird beim in die Hand nehmen der Universalfernbedienung automatisch das Display und die Tastenbeleuchtung eingeschalten. Über das Display sind übrigens alle Befehle der Geräte jederzeit aufrufbar, sonderlich bequem ist das allerdings nicht. Praktischer sind da schon die Hotkeys, über die z.B. Lieblingssender oder der Sicherheitscode des CI+-Moduls eingespeichert werden können (hier kommt übrigens der Vorteil des Farbdisplays des teureren Bruders zur Geltung: farbige Senderlogos!).

Wenn eine Aktion mal nicht vollständig funktioniert (wenn z.B. manuell etwas umgestellt wurde, oder ein Signal einfach nicht ankam) kann über eine prominente Hilfe-Taste die Aktion wiederholt werden. Sollte es immer noch nicht klappen, hilft ein Assistent weiter, der dann auch einzelne Geräte korrekt einstellen kann – wirklich hilfreich.

Fazit

Tatsächlich ist die Fernbedienung relativ mächtig und bietet viele, auch komplexe Funktionen. Es fordert etwas Eingewöhnung, die Fernbedienung immer etwas länger in Richtung Fernseher gerichtet zu halten, da hier ja meist mehrere Signale hintereinander gesendet werden und nicht eines pro Tastendruck, wie bei einer normalen Fernbedienung.

Mir hat sie viel zu viele Tasten – allerdings kann man die theoretisch natürlich alle benötigen. Da ich aber z.B. keinen BluRay-Player habe, sondern über die PlayStation BluRays schaue, benötige ich die Play/Pause- und Vor-/Zurückspultasten praktisch nie. Die PlayStation kann übrigens nicht direkt gesteuert werden, da sie mit Funk und nicht mit Infrarot arbeitet. Es gibt aber einen entsprechenden Adapter von Logitech, der kostet allerdings nochmal so viel wie die Fernbedienung.
Und irgendwie ist sie ja auch hässlich, mit ihrem silberfarbenen Plastikgehäuse und den schwammigen, hochstehenden Tasten.

Eine absolute Frechheit ist die Software. Zum Glück wird sie im Idealfall nur einmal benötigt. Aber man braucht definitiv gute Nerven. Noch ein Tipp: das Harmony-Remote-Forum bietet sehr gute Schritt-für-Schritt-Anleitungen, eine ausführliche FAQ sowie eine Vergleichstabelle der verschiedenen Modelle.

Funktioniert dann alles, hat man tatsächlich nur noch eine Fernbedienung, die alles steuern kann. Gerade wenn man das Problem hat, dass man den Eingang mit zwei separaten Fernbedienungen umstellen muss, ist die Harmony Remote eine echte Erleichterung. Hässlich bleibt sie leider trotzdem.

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