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MacBook Pro

15″, Retina, early 2013.

MacBook Pro

Nach der Vorstellung der ersten Retina-Display-MacBooks im Sommer 2012 fing ich an zu sparen. Zugegeben etwas früher als gedacht wurde diesen Monat bereits die nächste Generation vorgestellt. Ein kleines Prozessor-Update und minimal angepasste Preise. Die Grafikkarte ist immer noch die NVIDIA GeForce GT 650M von Anfang 2012. Da allerdings der Nachfolger der Kepler-Architektur, Maxwell, offenbar erst 2014 kommt, dürfte Apple selbst bei einem potentiellen weiteren Update 2013 keine Änderung an der Grafikkarte durchführen. Es war also der richtige Zeitpunkt gekommen.

Die von mir gewählte Konfiguration dürfte vermutlich relativ selten sein: 2,7 GHz Core i7, 768 GB SSD, aber nur 8 GB Arbeitsspeicher – das Basis-Modell mit größerem Prozessor (was es fast zum Premium-Modell macht) und größerer SSD, aber mit den 8 GB Arbeitsspeicher des Basis-Modells. Der Grund dafür ist natürlich ein finanzieller – und auch auf meinem „alten“ MacBook konnte ich die 8 GB selten ausreizen. Dazu kommt, dass notfalls Swapping bei vollem Arbeitsspeicher bei einer SSD kein Problem sein dürfte.
Somit kommt man immer noch auf sagenhafte 2.999,00 € (beziehungsweise dank AoC-Rabatt 2.639,42 €). Aber alle drei Jahre darf man sich ja schon mal einen neuen Computer leisten.

Das neue MacBook Pro kann man mit einem Wort ganz gut beschreiben: Quantensprung.

Das 15″-Display mit einer nativen Auflösung von 2880 x 1800 Pixeln wird – wie auch das iPhone seit Generation 4 und das iPad seit Generation 3 – als „Retina-Display“ betrieben. Das bedeutet, dass die logische Auflösung die Hälfte ist (1440 x 900), aber alles durch die doppelte Pixelanzahl dargestellt wird. Das hat insbesondere bei Text den Effekt, dass alles gestochen scharf und wie gedruckt aussieht, mit 220 DPI gerendert (zum Vergleich: ein herkömmlicher Windows-PC hat 96 DPI).
Die 1440 x 900 logischen Pixel resultieren im direkten Vergleich zum Hi-Res-Display des alten MacBook Pro zunächst mal in größeren Bildschirmelementen und weniger Platz. Damit kann man allerdings erstaunlich gut leben, für die meisten Anwendungsfälle reicht es gut aus. Und sollte man mal mehr Platz benötigen, kann der Skalierungsfaktor angepasst werden: auf 1680 x 1050 Pixel wie beim Hi-Res-Display oder gar auf 1920 x 1200 Pixel. Durch die dann „ungeraden“ Umrechnungsfaktoren wird allerdings das Bild gefühlt wieder minimalst unschärfer, außerdem dürfte das die Grafikkarte um einiges stärker belasten. Für den täglichen Einsatz ist die Standard-Retina-Einstellung perfekt.
Leider ist die Welt noch nicht ganz bereit für Retina-Displays. Kaum eine Internetseite liefert angepasste Grafiken aus – diese müssten für ein gestochen scharfes Bild nun in der doppelten Auflösung vorliegen. Diesen Aufwand macht sich bislang kaum jemand. Alles was gerendert ist – also Text und im Idealfall auch Layout-Grafiken – sieht aber entsprechend gut aus, auch im Web. Die meisten Apps sind inzwischen auch an das Retina-Display angepasst, selbst Microsoft und Adobe zogen nach. Alles, was mit Cocoa-Standardinterfaceelementen läuft, wird sowieso schon vom System richtig hochskaliert.

MacBook Pro

Die zweite große Neuerung für mich ist die SSD. Der allgemeine Geschwindigkeitszuwachs dadurch ist enorm. Selbst Aperture ist damit plötzlich einigermaßen benutzbar geworden (übrigens auch der Grund, warum es die ganz große SSD sein musste – alleine die Aperture-Library mit ihren RAW-Fotos belegt bis dato rund 200 GB).

Ansonsten halten sich die neuen Features in Grenzen: Thunderbolt (das 2010er-MacBook hatte noch einen Mini-DisplayPort ohne Thunderbolt), HDMI, USB 3.0, MagSafe 2.0, Bluetooth 4.0, AirPlay, PowerNap. Das neue MacBook Pro zeichnet sich sonst eher dadurch aus, was es alles nicht mehr hat: Ethernet, Line-in, FireWire, DVD-Brenner, Sleep-LED, Akku-LEDs und Infrarot-Sensor. Dafür ist es natürlich um einiges leichter und dünner.
Für Ethernet und eventuell FireWire werde ich mir möglicherweise noch passende Thunderbolt-Adapter zulegen; einen DVD-Brenner hat mein schwarzes Plastik-MacBook, das als Erinnerungsstück im Schrank steht, für den Notfall; und um Keynote-Präsentationen zu steuern, werde ich künftig eben auf die iOS-App zurückgreifen.

Zu berichten ist vielleicht noch kurz vom „Umzug“ der Daten: ~500 GB, die der Migrationsassistent vom alten auf das neue MacBook zerren musste, benötigten über 802.11n-WiFi rund 16 Stunden. Da wäre wohl der Ethernet-Adapter im Vorfeld doch schon eine sinnvolle Investition gewesen. Dafür war dank Migrationsassistent direkt alles korrekt eingerichtet.

Ein anderes Thema ist Bootcamp: als Gelegenheitsgamer benötigt man eben dann doch noch natives Windows. Ich habe mich gleich für (die gratis Studenten-Version von) Windows 8 entschieden, da dort „Hi-DPI-Displays“ zumindest rudimentär unterstützt werden sollen. Das ist auch korrekt – man stellt die native Auflösung von 2880 x 1800 Pixeln ein, und setzt den Skalierungsfaktor der Interfaceelemente auf 150 oder 200% hoch und aktiviert bei Metro (oder wie auch immer das nun heißt) die Funktion „Alles größer anzeigen“. Mehr habe ich unter Windows bislang aber auch nicht gemacht.

Einen kurzen Test der Gaming-Performance habe ich bisher nur unter OS X durchgeführt: Portal 2 kann mit 2880 x 1800 Pixeln betrieben werden und läuft mit allen Einstellungen auf „High“ erwartungsgemäß flüssig. Borderlands 2 dagegen, ebenfalls ein Steam-Spiel, erkennt nur die skalierte Auflösung von 1440 x 900 Pixeln – läuft aber ebenfalls mit allen Einstellungen auf „High“ flüssig und sieht ziemlich gut aus (kein Vergleich zu den 800 x 600 Pixeln und allen Einstellungen auf „Low“ auf dem alten MacBook).

MacBook (2007), MacBook Pro (2010), MacBook Pro mit Retina-Display (2013)

Soweit der erste Eindruck von MacBook Nummer 3. Benannt übrigens wieder traditionell nach einer Star-Trek-Raumschiff-Klasse: nach Constitution und Galaxy jetzt Sovereign, die Klasse der Enterprise-E.

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