2009 des Jahres

Kleiner Jahresrückblick, sowas muss man ja eigentlich machen, oder?

Foto des Jahres

Los gehts mit dem Foto des Jahres, da ich dadurch überhaupt erst auf die Idee zu diesem Beitrag kam. VisuelleGedanken hat zu einer kleinen Blogparade aufgerufen, und da ich 2009 erstmals halbwegs professionell fotografierte, bin ich mal meinen Photostream durchgegangen. Hängen geblieben bin ich dabei:

Am Sande
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Und alle so: “Yeaahh”

und-alle-so-yeaahh
Ach, das Internet ist schon lustig. Dieses Bild allein ist ja schon großartig. Noch viel besser ist aber, dass das Plakat einen Flashmob auslöste: tatsächlich riefen gestern die 2000 Besucher der Veranstaltung nach jedem Satz der AltKanzlerin „Yeaahh“:
YouTube Preview Image

Nicht zu vergessen natürlich auch der entsprechende Generator um einen eigenen Spruch auf das Plakat zu setzen.

Großartig.

(via indigoidian / gregel dot com / SPON)

Bundestagswahl: Die Parteiwebsites

Schon bei der Europawahl hatte ich ja über die Websites der wichtigsten Parteien geschrieben. Das wollte ich nun wieder tun, allerdings hat sich nicht sehr viel geändert – daher gibts jetzt einen Schnelldurchlauf (wollte mir sowieso angewöhnen, kürzere Postings zu schreiben…).

SPD: Web 2.0 ist angesagt. Twitter, Facebook, Flickr. Auch sonst ein moderner Auftritt, der die Ziele der SPD in den Vordergrund stellt. Auch wenn bei der SPD viel schief geht, man hat immerhin erkannt, dass Wahlkampf 2009 im Internet stattfindet.

CDU: Sieht ganz ähnlich aus wie bei der SPD. Auswirkungen der großen Koalition? Zwar wirkt die Website nicht ganz so modern wie die der SPD, große, animierte Diashows gibt es hier aber ebenso wie YouTube-Links. Konkrete politische Ziele sucht man allerdings vergebens. Vielleicht geht die CDU davon aus, dass sie sowieso niemand wählt, der im Internet surfen kann.

FDP: Hier ist ein Fortschritt im Gegensatz zur Europawahl zu verzeichnen: offenbar ist den Neoliberalen die Bundestagswahl wichtiger. Die Blog-artige Seite wirkt allerdings immer noch etwas lieblos umgesetzt. Konkrete Ziele lassen sich auch nicht finden, nur eine A-Z-Liste, die wohl niemand durchklicken wird.

Die Grünen: Der sehr gute, moderne Stil, den wir schon bei der Europawahl sahen, wurde beibehalten. Tatsächlich sieht die Website fast genau gleich aus wie schon im Mai. Konkrete Ziele lassen sich zwar auch nicht unmittelbar erkennen, sind aber zumindest leicht auffindbar. Ansonsten scheint man einiges bei der SPD-Kampagne zur Europawahl abgeguckt zu haben und führt eher einen Anti-Wahlkampf: Es wird vor allem Stimmung gegen eine mögliche CDU/FDP-Koalition gemacht.
Erwähnenswert wäre noch der Pulp-Fiction-Werbespot, der zumindest in einer gewissen Zielgruppe sicher gut ankommt.

Die Linke: Etwas weniger textlastig als noch bei der Europawahl, die Seite wirkt nicht mehr so überladen. Das Wahlprogramm ist komplett online, allerdings wird sich kaum jemand das alles durchlesen. Prägnante Zusammenfassungen wären wünschenswert, und wären eigentlich grade bei einer Partei mit populistischen Zügen zu erwarten gewesen.

Piratenpartei: Erinnert mich irgendwie immer noch an die Website eines Open-Source-Software-Projektes. Liegt wohl auch an der Existenz eines Wikis.
Bilder gibt es leider kaum, dafür sind die Ziele leicht zu finden und kurz und bündig zusammengeschrieben.

Fazit

Sollte ich rein nach dem Eindruck der Website wählen, müsste ich die SPD wählen.
Allgemein muss man aber ein Lob an die Parteien aussprechen, im Vergleich zur Europawahl wurde, wenn überhaupt etwas geändert wurde, stets eine Verbesserung erwirkt. Leider heißt das noch nicht, dass alle Parteien das Internet wirklich verstanden haben. Es heißt nur, dass sie genug Geld für eine gute, moderne Agentur haben und zumindest Berater, die ihnen nahelegten, “einen Wahlkampf in diesem Internet” zu machen. So wirklich findet dieser aber nicht statt, gegen Obama 2008 sehen sie alle alt aus.

Übrigens: Hier findet sich eine Betrachtung der Wahlplakate der Parteien, auch sehr lesenswert.

Naziaufmarsch in Lüneburg

Gestern morgen bin ich aufgewacht und befand mich inmitten der Sicherheitszone, die die Polizei für den Aufmarsch von Neonazis in Lüneburg eingerichtet hatte. Nur Bewohner wurden noch durchgelassen – und Nazis. Viele kamen allerdings nicht, nur ca. 100 Glatzköpfe versammelten sich am Vormittag hier, 200 Meter von der Haustür meiner Freundin entfernt. Die Polizei war mit ungefähr dreimal so vielen Einsatzkräften vertreten.
Im Vorfeld hatte die Stadt Lüneburg die Demonstration verboten, da es bei einer ähnlichen Veranstaltung am 11. April bereits zu Ausschreitungen seitens der Nazis gekommen war, die versucht hatten, eine Polizeisperre zu durchbrechen. Das Verwaltungsgericht hob dieses Verbot dann jedoch wieder auf, da es aufgrund der strikten räumlichen Trennung (Nazis im Osten, Gegenveranstaltungen in der Innenstadt) diesesmal keine Ausschreitungen erwartete und ein Verbot in Hinsicht auf die Versammlungsfreiheit für unverhältnismäßig hielt.

Die eigentliche Veranstaltung hatte dann eher lächerlichen Charakter, was wohl auch an der Route lag, die zwischen einer verlassenen Kaserne und einem eher spärlich bewohnten Wohngebiet vorbeiführte. Die Nazis durften einmal um den Block laufen und ein paar Parolen schreien, vor und hinter ihnen lief eine Hundertschaft der Polizei. Das war es dann auch schon wieder.
Einige Mitglieder der linken Szene waren auch vor Ort, hatten jedoch aufgrund des krassen Polizeiaufgebotes keine Chance, den Marsch zu stoppen, wie es am 11. April geschehen war. Als Erfolg für die Nazis kann die Aktion jedoch trotzdem nicht verbucht werden: dass sie unerwünscht sind, war nicht nur bei den Anwohnern deutlich zu spüren.
Zur Gegenveranstaltung in der Innenstadt kamen über 1000 Leute.

Weitere Informationen bei Indymedia.

Europawahl 2009: Die Parteien

ee09_europabutton_de32 Parteien bzw. “politische Vereinigungen” stellen sich am 7. Juni zur Wahl für das europäische Parlament (ich berichtete). Dieses setzt sich übrigens proportional zur Größe der EU-Mitgliedsstaaten zusammen, wodurch bei bevölkerungsreichen Ländern wie Deutschland sehr viel mehr Bürger von einem einzelnen Abgeordneten repräsentiert werden. Die meisten der nationalen Parteien schließen sich auf Europaebene mit ihren jeweiligen Pendants aus den anderen Staaten zu “Europaparteien” zusammen.
Die SPD wird dadurch zur SPE, die CDU zur EVP (europäische Volkspartei), die FDP zur ELDR (“europäische liberale, demokratische und Reformpartei”), die Grünen zur EGP (“europäische grüne Partei”) und die Linke zur EL (“europäische Linke”). Die Piraten treten auf europäischer Ebene logischerweise auch gemeinsam mit denen der anderen EU-Staaten auf, schließlich verstehen sie sich ja von Beginn an als transnationale Bewegung und treten daher bei der Europawahl auch unter dem Namen ihrer Dachorganisation “PPI” (“Pirate Party International”) auf.

Jedoch ändert sich für den Wähler hierzulande nichts im Vergleich zu einer normalen Bundestagswahl – die bekannten deutschen Parteien stehen auf dem Wahlzettel und vertreten ihre üblichen Wahlprogramme.
Im Folgenden habe ich mir die Internetauftritte einiger der Parteien als wohl wichtigstes Aushängeschild angesehen. Den ganzen Beitrag lesen »