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	<title>sprachkonstrukt.de &#187; verweigerung</title>
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		<title>Meine Verweigerung</title>
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		<pubDate>Wed, 26 Mar 2008 16:38:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Ruben</dc:creator>
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		<description><![CDATA[M&#246;chte man den Kriegsdienst verweigern, muss man sich zwar heute nicht mehr pers&#246;nlich rechtfertigen, es wird aber eine ausf&#252;hrliche schriftliche Begr&#252;ndung verlangt, die erkl&#228;ren soll, warum man es nicht mit seinem Gewissen vereinbaren kann, Kriegsdienst zu leisten. Ist man religi&#246;s, ist das gar nicht so schwierig. Da ich das aber bekannterma&#223;en nicht bin, musste ich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>M&ouml;chte man den Kriegsdienst verweigern, muss man sich zwar heute nicht mehr pers&ouml;nlich rechtfertigen, es wird aber eine ausf&uuml;hrliche schriftliche Begr&uuml;ndung verlangt, die erkl&auml;ren soll, warum man es nicht mit seinem Gewissen vereinbaren kann, Kriegsdienst zu leisten. Ist man religi&ouml;s, ist das gar nicht so schwierig. Da ich das aber bekannterma&szlig;en nicht bin, musste ich andere Gr&uuml;nde finden.<br />
Es folgt die komplette Begr&uuml;ndung meiner Verweigerung, die vielleicht auch anderen als Beispiel f&uuml;r ihre eigene Verweigerung dienen kann.</em><span id="more-88"></span></p>
<p><strong>Darlegung meiner Beweggr&uuml;nde zur Kriegsdienstverweigerung </strong><br />
In Artikel 4, Absatz 3, Satz 1 des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland ist festgelegt: </p>
<blockquote><p>„Niemand darf gegen sein Gewissen zum Kriegsdienst mit der Waffe gezwungen werden.“</p></blockquote>
<p>Von diesem Grundrecht m&ouml;chte ich Gebrauch machen, da ich es <strong>nicht</strong> mit meinem Gewissen, meiner Weltanschauung, meiner Erziehung, meinen Grundwerten und meinem Verstand vereinbaren kann, zum Kriegsdienst ausgebildet zu werden.<br />
Es ist wohl das st&auml;rkste menschliche Grundbed&uuml;rfnis, zu leben und zu &uuml;berleben. Diesem Grundbed&uuml;rfnis dient auch das Gef&uuml;hl des Schmerzes. Besteht die Gefahr, dass der K&ouml;rper nachhaltig verletzt wird, entsteht Schmerz. Wer schon einmal Schmerz erlebt hat, wei&szlig;, wie unangenehm das ist, und dass man alles daran setzen wird, diesen Schmerz zu beenden. Dieses Verhalten, &uuml;berleben zu wollen und infolgedessen Schmerz zu verhindern, entspricht vollkommen der menschlichen Natur.<br />
Viele Jahre lang lebten die Menschen so – sie versuchten, zu &uuml;berleben und zu verhindern, dass ihnen Schmerzen zugef&uuml;gt werden. Dabei waren sie jedoch noch nicht in der Lage, sich in andere Menschen hineinzuversetzen, und sch&uuml;tzten sich selbst &#8211; sogar, indem sie anderen Menschen Schmerzen zuf&uuml;gten. Dies f&uuml;hrte zu gewaltsamen Auseinandersetzungen, zu Kriegen, ja sogar zu V&ouml;lkermord und Ausrottungen ganzer Volksst&auml;mme. Also im Ganzen betrachtet entgegen dem obersten menschlichen Grundbed&uuml;rfnis, zu &uuml;berleben.<br />
Irgendwann bemerkten die Menschen diesen Widerspruch, und begannen, sich Gedanken &uuml;ber ihre Mitmenschen zu machen. Einige jedenfalls. Daraus entwickelte sich die Idee, die auch in unserem Grundgesetz zu finden ist (Artikel 1, Absatz 1, Satz 1): </p>
<blockquote><p>„Die W&uuml;rde des Menschen ist unantastbar.“</p></blockquote>
<p>Dies schreibt fest, dass jeder Mensch schon alleine durch seine Existenz sch&uuml;tzenswert ist. Dazu geh&ouml;rt auch, dass kein Mensch verletzt oder get&ouml;tet werden darf.<br />
Meine Eltern legten stets gro&szlig;en Wert darauf, mir diese Werte zu vermitteln. Sie leiteten mich an, Achtung vor Leben zu bewahren. Dazu geh&ouml;rt nat&uuml;rlich nicht nur die strikte Ablehnung von Gewalt und Krieg, sondern auch die Ablehnung, Fleisch zu essen. Daher bin ich noch heute Vegetarier. So kann ich es mir weder vorstellen, in den Krieg zu ziehen und Menschen zu t&ouml;ten oder dazu ausgebildet zu werden, noch, auf Jagd zu gehen und Tiere zu t&ouml;ten.<br />
Leider geh&ouml;rt Gewalt und Krieg heute noch immer zum Alltag, dies stellt jeder fest, der nicht mit ganz verschlossenen Augen die allt&auml;gliche Medienflut aufnimmt. T&auml;glich sehe ich, wie Menschen auf den vielen Kriegsschaupl&auml;tzen in der ganzen Welt sterben m&uuml;ssen. Geht der Krieg, bleibt das Elend. Zerst&ouml;rte Infrastruktur, verlorene Arbeitspl&auml;tze und vor allem viele Kriegsopfer stellen die oft schwer verwundeten Hinterbliebenen vor Probleme, die im 21. Jahrhundert eigentlich der Vergangenheit angeh&ouml;ren sollten. Wer schon einmal den Tod eines nahen Angeh&ouml;rigen erlebt hat, wird vielleicht gerade einmal ansatzweise eine Vorstellung davon bekommen k&ouml;nnen, welche psychische Belastung der Verlust eines Gro&szlig;teils der eigenen Familie und des Freundeskreises darstellen w&uuml;rde. Hinzu kommt das soziale Elend, an dem die Menschen in und nach einem Krieg zu leiden haben, wenn sie alles verloren haben. Hier kann man sehen, welchen Stellenwert Leben und &Uuml;berleben wirklich hat.<br />
Krieg verursacht dieses Elend. Krieg ist in erster Linie immer noch bewusstes, systematisches T&ouml;ten und Zerst&ouml;ren. Soldaten haben zwar auch friedliche Aufgaben, doch geh&ouml;rt das T&ouml;ten von Menschen in einem Krieg definitiv dazu. Die Ausbildung zum Soldaten umfasst daher unweigerlich auch die Ausbildung zum systematischen T&ouml;ten von Menschen und f&uuml;hrt letztlich dazu, dass ein Mensch lernt, zu t&ouml;ten und Elend und Verderben zu bereiten. Dies kann ich, wie oben ausgef&uuml;hrt, nicht mit meinem Gewissen vereinbaren.<br />
Nat&uuml;rlich f&uuml;hrt man als Soldat nur Befehle aus – doch dies umfasst f&uuml;r mich nicht die M&ouml;glichkeit, die Verantwortung vor dem Gewissen auf die Vorgesetzten abzuw&auml;lzen. Ich kann mir nicht vorstellen, jemanden auf Befehl zu t&ouml;ten und daf&uuml;r jemand anderes au&szlig;er mich pers&ouml;nlich vor meinem Gewissen verantwortlich zu machen. Daher ist es mir nicht m&ouml;glich, zu t&ouml;ten, und daher m&ouml;chte ich mich auch nicht dazu ausbilden lassen.<br />
Auch eine Ausbildung in einem eher gewaltfreien Bereich, z.B. als Sanit&auml;ter bei der Bundeswehr, kann ich nicht mit meinem Gewissen vereinbaren. Schlie&szlig;lich hat man als solcher die Aufgabe, die ganze Maschinerie am Laufen zu halten, indem man verwundete Soldaten pflegt, damit sie wieder t&ouml;ten k&ouml;nnen.<br />
Gewalt ist keine L&ouml;sung – das habe ich schon als Kind gelernt und erfahren. Genauso habe ich gelernt, dass es das schwerste Verbrechen ist, jemanden zu ermorden. Beim Blick in die Geschichte, aber auch in die Gegenwart, sieht man, wozu Gewalt und Krieg f&uuml;hrt. Die unz&auml;hligen Berichte &uuml;ber die Katastrophe des zweiten Weltkriegs und insbesondere mein Besuch im ehemaligen Konzentrationslager Dachau st&auml;rkten meine konsequente Ablehnung von Krieg mit allen seinen Konsequenzen zus&auml;tzlich.<br />
Gerade wir in Deutschland sollten doch unsere Lektion mittlerweile gelernt haben und eher eine Vorbildfunktion f&uuml;r andere Staaten innehaben, als uns an deren Kriegen aktiv zu beteiligen.<br />
Da finde ich es geradezu absurd, dass in einem Land, in dem Menschenrechte eigentlich gro&szlig; geschrieben werden, pl&ouml;tzlich ein Unterschied gemacht wird zwischen T&ouml;ten auf Befehl als Soldat und T&ouml;ten im privaten Bereich. Dass trotz der Erfahrungen in der Vergangenheit eine Armee besteht. Dass gewaltsame Konfliktl&ouml;sung immer noch als M&ouml;glichkeit angesehen und praktiziert wird. Dass immer noch Menschen zum T&ouml;ten anderer Menschen ausgebildet werden. Dass junge M&auml;nner (und nur M&auml;nner) gen&ouml;tigt werden, diese Ausbildung &uuml;ber sich zu ergehen lassen.<br />
Dies alles steht im Widerspruch zu unseren Grundrechten und zum gesunden Menschenverstand. Trotzdem Kriegsdienst zu leisten und dadurch diese Maschinerie zu unterst&uuml;tzen und letztlich zu lernen, andere Menschen mit voller Absicht und m&ouml;glichst effektiv zu t&ouml;ten, kann ich definitiv nicht mit meinem Werteverst&auml;ndnis, meinem Verstand und vor allem meinem Gewissen vereinen.<br />
Daher verweigere ich den Kriegsdienst an der Waffe unter Berufung auf das Grundrecht der Kriegsdienstverweigerung nach Artikel 4, Absatz 3 Satz 1 des Grundgesetzes. </p>
<p><small>In Bezug auf diesen Text m&ouml;chte ich nochmals auf die <a href="http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/deed.de">Lizenzbedingungen</a> des Inhalts dieses Blogs hinweisen.</small></p>
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